Für unseren Kurzurlaub im Herbst 2024 haben wir uns für einen entspannten Roadtrip nach Cochem entschieden, einer malerischen Stadt an der Mosel, nur wenige Stunden von Frankfurt entfernt. Über die Autobahn (A3 und A48) erreicht man Cochem in ca. 2 Minuten. Wer mehr Zeit hat und die Landschaft genießen möchte, sollte die Bundesstraßen entlang des Rheins (B9) und der Mosel (B49/416) wählen. Diese Strecke bietet atemberaubende Ausblicke auf sanft geschwungene Weinberge, durch die sich malerische Flüsse schlängeln, dauert aber ca. 3 Stunden.

Reisen in der Nebensaison bietet eine friedliche Auszeit – nur das leise Summen der Straße und die Verheißung von Ruhe. Es ist, als würde man den Stress des hektischen Alltags abstreifen und sich im sanften Sonnenlicht des Moseltals verlieren.

In Cochem verlangsamt sich das Leben und kehrt zu einem beruhigenden Rhythmus zurück. Bei einem Spaziergang entlang des Flussufers bot sich uns ein herrlicher Blick auf die Reichsburg Cochem – eine mittelalterliche Festung, die majestätisch auf einem Hügel vor dem spätherbstlichen Himmel thront.

Ein Apfelbaum am Ufer verlieh der Szenerie einen lebhaften, verspielten Akzent, während sich sein Spiegelbild in den sanften Wellen der Mosel widerspiegelte. Das spätherbstliche Licht füllte die Umgebung mit Wärme und tauchte den Fluss in ein warmes, goldenes Licht.

Ein Spaziergang durch Cochem entführt einen in eine Märchenwelt. Auf dem Weg hinauf zur Reichsburg scheint die Zeit zu vergehen wie der Fluss, der sich gemächlich seinen Weg durch die hügelige Landschaft bahnt.

Die Luft in Cochem ist frisch und klar, erfüllt vom feinen, erdigen Duft der umliegenden Wälder. Fachwerkhäuser und wuchtige Steinbauten schmiegen sich an die Hügel, manche von Efeu überwuchert, was ihnen eine geheimnisvolle Aura verleiht, als wären sie Teil eines verwunschenen Märchenwaldes.
Fenster und Türen, zum Teil mit eleganten Rundbögen, folgen einem mittelalterlichen Muster, das nicht nur ästhetisch, sondern auch funktional ist. Die runde Form hilft, das Gewicht gleichmäßig zu verteilen – eine clevere Lösung zur Zeit der traditionellen (Natur-)Steinbauweise.

Einige Gebäude sind in einem tiefen, dunklen Braun gehalten, was der Stadt einen warmen, rustikalen Charme verleiht. Der Fachwerkstil prägt das Stadtbild mit hervorstehenden Holzbalken, die entlang der verputzten oder steinernen Wände verlaufen und so ein charakteristisches Schachbrettmuster bilden.

Über den Läden hängen zahlreiche Schilder – eine mittelalterliche Art, auf Geschäfte und Handwerksbetriebe aufmerksam zu machen. Diese Schilder, oft mit Symbolen oder Bildern verziert, waren in einer Zeit, in der Lesen und Schreiben noch nicht weit verbreitet waren, unerlässlich, um den Menschen den Weg zu weisen. In Kombination mit der Architektur entsteht so ein authentischer mittelalterlicher Charme.

Ein kurzer Aufstieg führt uns über einen Hügel direkt zur Reichsburg, die gotische und romanische Stilelemente gekonnt vereint. Dunkle Steinmauern, braune Holzfenster und spitze Türme verleihen ihr ein märchenhaftes Aussehen. Die spitzen Winkel und massiven Zinnen zeugen von Wehrhaftigkeit und einer bewegten Vergangenheit.


Mitte des 19. Jahrhunderts ließ der französische Aristokrat Louis Ravené die Burg als prächtige Sommerresidenz für seine Geliebte wieder aufbauen. Tragischerweise verschwand die Geliebte auf mysteriöse Weise, noch bevor die Bauarbeiten abgeschlossen waren. Gerüchten zufolge soll sie die Reichsburg nie betreten haben. So steht die Burg heute als melancholisches Denkmal einer unerfüllten Liebe.


Die Besichtigung der Reichsburg dauert ca. eine Stunde. Im Eintrittspreis (ca. 9 EUR pro Erwachsener) ist eine Führung in deutscher und englischer Sprache enthalten. Für andere Sprachen, wie z.B. Chinesisch, stehen übersetzte Skripte zur Verfügung.
Von der Anhöhe der Reichsburg bietet sich ein atemberaubender Blick auf die Mosel, die sich malerisch durch das Tal schlängelt. Die Ufer sind gesäumt von schmucken Häusern, die sich an die sanften Hänge schmiegen. Wenn die Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke brechen und die Landschaft in ein warmes Licht tauchen, entfaltet sich eine Szenerie von majestätischer Schönheit und friedlicher Harmonie.



Im Inneren des Schlosses beeindrucken die prunkvollen Säle. Prächtige Kronleuchter hängen von den hohen Decken, kunstvoll geschnitzte Holzstühle stehen um imposante Tafeln und reich verzierte Kamine verleihen den Räumen eine elegante, historische Atmosphäre.

Ein besonderes Highlight ist die prunkvolle Empfangshalle. Bei unserem Besuch kurz vor Weihnachten erstrahlte dort ein großer Weihnachtsbaum und erfüllte den Raum mit festlicher Stimmung.

Nur 30 bis 40 Autominuten von Cochem entfernt thront die majestätische Burg Eltz. Im 12. Jahrhundert von der Familie Eltz erbaut, befindet sie sich bis heute in deren Besitz und wird liebevoll gepflegt. Sie gehört zu den wenigen Burgen in Deutschland, die fast 900 Jahre unversehrt überstanden haben und sich noch heute in Privatbesitz befinden.

Ein gemütlicher Spaziergang von etwa 15 Minuten durch den Wald führt vom Parkplatz zur Burg. Schon der erste Anblick ist magisch: Still und erhaben erhebt sich die Burg Eltz mitten im Wald. Besonders im Herbst, wenn das Laub rot, gelb und grün leuchtet, wirkt die Szenerie wie aus einem Märchen und entführt den Besucher in eine mittelalterliche Fantasiewelt.
Die abgeschiedene Lage und die romantische Architektur der Burg mit ihren schlanken Türmen und trutzigen Steinmauern erzählen von Rittern, verborgenen Schätzen und längst vergangenen Zeiten. Kein Wunder, dass sie als Inspirationsquelle für unzählige Märchen gilt.
Wer mehr Zeit mitbringt, sollte sich den malerischen Rundwanderweg um die Burg nicht entgehen lassen. Auf der rund 12 Kilometer langen Strecke, für die man etwa vier Stunden benötigt, eröffnen sich immer wieder neue, beeindruckende Perspektiven auf die Burg Eltz.

Bei Sonnenuntergang, wenn die letzten Sonnenstrahlen hinter den Hügeln verschwinden, machen wir uns auf den Rückweg von der Burg Eltz ins malerische Moselstädtchen Cochem, voller Vorfreude auf die festliche Weihnachtsstimmung.


Trotz der ruhigen Straßen spürt man überall den Zauber der Weihnachtszeit: vom funkelnden Weihnachtsbaum bis zu den leuchtenden Herrnhuter Sternen. Diese Sterne, eine liebgewonnene deutsche Tradition, symbolisieren den Stern von Bethlehem und tauchen die charmanten Fachwerkhäuser in ein warmes, festliches Licht.


Überquert man die Brücke zum anderen Moselufer, eröffnet sich ein magisches nächtliches Panorama: Die Lichter der Stadt tanzen auf dem Wasser, die Reichsburg leuchtet geheimnisvoll rot.

Friedliche Stille breitet sich aus, als wir am Flussufer entlang spazieren. Dunkelheit umhüllt den Weg, nur unterbrochen vom leisen Rauschen des Flusses und dem Knirschen unserer Schritte auf dem gefrorenen Boden. Wir legen den Kopf in den Nacken und blicken in einen atemberaubenden Sternenhimmel. Weit weg vom Lärm der Stadt entfaltet sich der Nachthimmel in seiner ganzen Klarheit. Niemand sonst ist hier – nur wir, die Sterne, die Bäume und die Berge. Erstaunlicherweise wirkt die Einsamkeit in der Dunkelheit nicht bedrohlich, sondern vermittelt ein tiefes Gefühl von Ruhe und Verbundenheit.

Weitere Tipps für deinen Besuch:
- Unterkunft:
- Cochem bietet eine große Auswahl an Übernachtungsmöglichkeiten – vom eleganten Boutique-Hotel direkt am Fluss mit Blick auf die Weinberge bis zum charmanten Gästehaus im Herzen der Stadt.
- Die Preise variieren je nach Unterkunft und reichen von 60 € bis über 250 € pro Nacht. Viele Unterkünfte sind sowohl von der Reichsburg als auch von der Mosel aus gut zu erreichen.
- Anreise nach Cochem ohne Auto:
- Cochem ist bequem mit der Bahn zu erreichen, z.B. von nahe gelegenen Städten wie Koblenz oder Trier.
- Auch Busse und Flusskreuzfahrtschiffe bieten malerische Routen nach Cochem, auch wenn die Anreise etwas länger dauern kann. Vor Ort lässt sich die Stadt gut zu Fuß erkunden.
- Reicht ein Tag für beide Burgen?
- Ein Tag reicht in der Regel aus, um sowohl die Reichsburg als auch die Burg Eltz zu besichtigen. Für die Reichsburg sollte man ca. 1 bis 1,5 Stunden, für die Burg Eltz ca. 2 bis 3 Stunden einplanen, insbesondere wenn man an einer Führung teilnehmen möchte.
- Wer einen Rundgang um die Burg Eltz machen möchte, sollte allerdings deutlich mehr Zeit mitbringen.
- Öffnungszeiten der Burg Eltz:
- Die Burg Eltz ist vom 1. April bis 1. November täglich von 9:30 bis 17:00 Uhr geöffnet. Letzter Einlass ist um 17:00 Uhr, die letzte Führung beginnt um 17:30 Uhr. Die Tickets kosten 14 € pro Erwachsenem und beinhalten eine Führung in deutscher und englischer Sprache (weitere Informationen hier).
Wer in Cochem essen gehen möchte, sollte sich vor Touristenfallen in Acht nehmen: Viele Restaurants servieren zwar teure Gerichte, diese können aber wenig authentisch oder von mäßiger Qualität sein – ein bekanntes Problem in beliebten Urlaubsorten. Auch wenn das Essen meist nicht schlecht ist, empfiehlt es sich, vorher die Google-Bewertungen zu lesen. Wer spontan irgendwo einkehrt, wird ggf. enttäuscht, vor allem in der Nebensaison, wenn viele Lokale eingeschränkte Öffnungszeiten haben oder geschlossen sind.

Zum Glück haben wir ein gemütliches Lokal gefunden, in dem wir einen guten Einblick in die gutbürgerliche deutsche Küche bekommen haben: die Gaststätte Noss. Dort haben wir nicht nur leckere Sachen gegessen, sondern auch ein erfrischendes Glas Bitburger getrunken, ein klassisches deutsches Pils, das in der Moselregion besonders beliebt ist. Außerdem haben wir regionalen Senf aus den Senfmühlen der Moselregion probiert. Den Senf kann man übrigens auch als Souvenir kaufen, denn er ist in vielen Geschäften und Feinkostläden in Cochem erhältlich.
Unser erstes Hauptgericht ist ein echter Klassiker: Ein Paniertes Schweineschnitzel mit Champignonrahmsauce und Pommes frites – ein Paradebeispiel für deftige deutsche Küche.

Das Schnitzel ist goldbraun und knusprig, umhüllt von einer dünnen Panade, die den natürlichen Geschmack des Schweinefleisches unterstreicht, ohne ihn zu überdecken. Beim ersten Anschnitt kommt das zarte Schweinefleisch zum Vorschein, das angenehm saftig und schmackhaft ist. Etwas Petersilie bringt eine aromatische Frische ins Spiel, die das gehaltvolle Schweinefleisch wunderbar abrundet.
Die Champignonrahmsauce ist samtig und cremig mit erdigen Champignonstückchen, die für einen saftigen und herzhaften Geschmack sorgen. Die Sauce harmoniert perfekt mit der knusprigen Panade und den luftigen Pommes.
Die deftige Schlachtplatte mit Sauerkraut und Kartoffelpüree ist ein typisch deutsches Gericht, das früher vor allem in ländlichen Regionen zu festlichen Anlässen gegessen wurde. Sie vereint eine Auswahl herzhafter Wurst- und Fleischsorten wie Blutwurst, Leberwurst, Bratwurst, Eisbein und Schweinebauch – jede mit ihrem eigenen Geschmack.

Die Blutwurst hat einen kräftigen, erdigen Geschmack, der durch das verwendete Schweineblut geprägt ist. Die Leberwurst hat eine besonders cremige Konsistenz und einen feinwürzigen Geschmack.
Die Bratwurst hingegen ist milder gewürzt und besticht durch ihre knackige Haut, die ein zartes, saftiges Inneres umschließt. Unser Favorit ist das Eisbein – unglaublich zart, leicht gesalzen und mit einer rauchigen, herzhaften Tiefe. Der Schweinebauch ist mit einer saftigen Fettschicht überzogen, die dem Gericht noch mehr Fülle verleiht.
Das cremige Kartoffelpüree ist die perfekte Basis, um die Schlachtplatte zu erden. Zusammen mit dem Sauerkraut ergibt sich ein köstliches Zusammenspiel von herzhaften, würzigen und wohltuenden Aromen – ein klassisches Beispiel traditioneller deutscher Küche.

Während wir die letzten Bissen in der Gaststätte Noss genießen, richtet sich unser Blick bereits auf die nächste Etappe unserer Reise. Es geht weiter nach Luxemburg, wo uns Geschichte, Kultur und die traditionelle luxemburgische Küche erwarten. Bis bald!