Bei unserer Ankunft im belgischen Dinant liegen die Temperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt. Doch die milden Sonnenstrahlen tauchen die Stadt in ein warmes, goldenes Licht, das die Kälte fast vergessen lässt. Unsere Fahrt führt uns vorbei am Rocher Bayard, einer imposanten, 40 Meter hohen Kalksteinformation, die spektakulär in zwei Teile gespalten ist. Der Legende nach soll das riesige Pferd Bayard den Felsen mit einem mächtigen Hufschlag gespalten und so den markanten Durchgang geschaffen haben.

Direkt an der Maas gelegen und von sanften Hügeln umgeben, präsentiert sich Dinant als wahrhaft malerische Stadt. Unser erstes Ziel ist die Stiftskirche Notre-Dame (auf Französisch als Église Collégiale Notre-Dame). Dieses gotische Meisterwerk mit der charakteristischen Birnen- oder Zwiebelhaube erhebt sich majestätisch vor der imposanten Kulisse steiler Felsen.

Ganz aus dem grauen Kalkstein der Region erbaut, beeindruckt die Kirche durch ihre dunkle Fassade, die eine ganz eigene, strenge Schönheit ausstrahlt.


Wer das Innere betritt, wird von gedämpftem Licht empfangen, das die dunklen Steinmauern sanft erhellt. Ein prächtiges Buntglasfenster zaubert ein faszinierendes Farbenspiel in den Raum und verleiht der Atmosphäre einen besonderen Zauber.


Hoch über der Kirche erhebt sich auf einem Felsen die Zitadelle von Dinant. Die 1820 erbaute Festung war Schauplatz bedeutender historischer Ereignisse wie der Schlacht von Dinant im Ersten Weltkrieg. Im August 1914 lieferten sich französische und deutsche Truppen hier erbitterte Kämpfe, wobei die Franzosen die belgische Verteidigung unterstützten. Die Schlacht hinterließ schwere Verwüstungen und forderte zahlreiche Opfer, die sich tief in das Gedächtnis der Stadt eingebrannt haben.

Im Inneren der Zitadelle erwartet den Besucher eine eindrucksvolle Rekonstruktion des Kriegsalltags: ein Soldatenschlafsaal, in dem das Gewehr neben dem Bett des Soldaten lehnt, eine Küche, in der unter widrigsten Bedingungen Mahlzeiten zubereitet wurden, und die typischen Schützengräben des Ersten Weltkriegs, gesäumt von gespenstischen Sandsackbarrikaden. Das gedämpfte Licht und die lebensecht wirkenden Puppen – einige kauern ängstlich, andere liegen regungslos – machen die erschütternde Realität des Krieges greifbar.



Wir bahnen uns unseren Weg durch einen schwach beleuchteten Tunnel, dessen schräge Wände unsere Sinne verwirren. Dieser sogenannte „Schiefe Tunnel“ ist besonders beeindruckend: Sein geneigter Boden macht es fast unmöglich, sich vorwärts zu bewegen ohne das Gleichgewicht zu verlieren – eine raffinierte Konstruktion, die einst dazu diente, Angreifer zu verwirren und auszubremsen.

Oben auf der Zitadelle angekommen, eröffnet sich uns schließlich eine weitläufige, grasbewachsene Ebene.

Von hier aus bietet sich ein atemberaubender Blick auf die Stadt Dinant und das UNESCO-Weltkulturerbe Maastal, das uns zu Füßen liegt. Ruhig und spiegelglatt schlängelt sich die Maas wie ein silbernes Band durch die Landschaft und teilt die Stadt in zwei Hälften.

Während die Sonne langsam am Horizont verschwindet, verschwimmen Himmel und Fluss im warmen Abendlicht. Kaum zu glauben, dass diese Festung einst Schauplatz so vieler bewegender und historisch bedeutsamer Ereignisse war!

Auf dem Rückweg schlendern wir gemütlich am Ufer der Maas entlang. Im sanften Licht der Abendsonne und der klaren Abendluft spiegelt das Wasser ruhig die herbstliche Landschaft und die schwach leuchtenden Straßenlaternen.


Sanfte Wellenbewegungen kräuseln kaum die spiegelglatte Oberfläche, auf der sich die Silhouetten der am Kai vertäuten Boote sanft abzeichnen.

Die Häuser von Dinant, viele aus rotem Backstein, präsentieren sich mit ihren einheitlichen Fassaden und verzierten Giebeln als typische Vertreter des belgischen Baustils.


Vor der imposanten Kulisse der Felswände fügen sie sich zu einem einzigartigen Straßenbild zusammen.

Die dezente Weihnachtsbeleuchtung verleiht den stillen Abenden eine festliche Atmosphäre.


Der Anblick der Notre-Dame-Kirche vor dem mächtigen Felsen wirkt aus dieser Perspektive noch eindrucksvoller.


Im Herzen von Dinant besuchen wir das Adolphe-Sax-Museum, das dem berühmtesten Sohn der Stadt gewidmet ist: dem Erfinder des Saxophons, Adolphe Sax.

Das Museum gewährt Einblicke in das Leben von Sax und seine bahnbrechende Erfindung.


Sein Erbe ist in der Stadt allgegenwärtig. Vom bronzenen Saxophone Monument über eine lebensgroße Statue von Adolphe Sax selbst, die lässig neben dem Museum sitzt, bis hin zur Pont Charles de Gaulle, die mit überdimensionalen Saxophonen in den typischen Formen und Farben verschiedener Länder gestaltet ist.

Ein beeindruckendes gläsernes Saxophon schmückt den Innenhof des Rathauses von Dinant. Das Werk des belgischen Künstlers Bernard Tirtiaux wurde 2014 anlässlich des 200. Geburtstags von Adolphe Sax enthüllt.

Wenn die Nacht hereinbricht, verwandeln kaleidoskopische Lichtspiele die einst nüchternen Gebäude. Sie lassen jede Kante weicher erscheinen und verleihen der Nacht einen magischen und fröhlichen Rhythmus, der alles in sanfte Bewegung versetzt.


Weitere Tipps für Deinen Besuch:
Sehenswürdigkeiten & Tickets
- Zitadelle von Dinant: Eintritt: 13 € (Erwachsene), 11 € (Kinder). Das 3-in-1-Ticket (Zitadelle, Seilbahn, Bootsfahrt) kostet 22 € für Erwachsene und 16 € für Kinder. [Weitere Informationen hier]
- Stiftskirche Notre-Dame: Eintritt frei, täglich von 10:00 bis 17:00 Uhr geöffnet.
- Maison de Monsieur Sax (Adolphe-Sax-Museum): Eintritt frei, täglich von 9:00 bis 19:00 Uhr geöffnet.
Anreise & Mobilität
Der nächstgelegene Flughafen ist in Brüssel (BRU). Es gibt direkte Zugverbindungen von Brüssel und Namur nach Dinant. Der Bahnhof ist nur wenige Gehminuten von den wichtigsten Sehenswürdigkeiten entfernt. Parkplätze sind vorhanden, in der Hochsaison jedoch begrenzt. Parken bis 17:00 Uhr gebührenpflichtig, danach meist kostenlos.
Unterkunft
Für einen unvergesslichen Aufenthalt empfehlen wir eine Unterkunft direkt an der Maas mit traumhafter Aussicht.
Preise pro Nacht:
💸 Standard: € 60-90
🏡 Komfort: € 100-150
✨ Luxus: ab € 200
In der Nebensaison haben zwar einige Restaurants geschlossen, aber wir hatten Glück und sind auf Les Cinq Fontaines gestoßen, ein gemütliches griechisches Restaurant.
Mit griechischem Essen kann man eigentlich nie etwas falsch machen – und dieses Restaurant war der beste Beweis dafür. Die Speisekarte bietet eine verlockende Auswahl an griechischen Klassikern: saftig gegrilltes Fleisch, herzhafte Eintöpfe und üppige Meeresfrüchteplatten.
Unser erstes Gericht: Scampi Diabolique Pikant – Scampi Diabolique Pikant – eine aufregende Fusion aus mediterranem Meeresfrüchte-Genuss und teuflischer Schärfe. Der Name ist Programm!

Die Basis bilden scharfe Pepperoncini, die kleinen griechischen grünen Peperoni mit ihrer leicht säuerlich-scharfen Note. Sie bilden einen spannenden Kontrast zur cremig-würzigen Sauce.
Und die Sauce? Ein wahrer Traum! Samtig, cremig, aber mit ordentlich Feuer, abgerundet durch die feine Säure sonnengereifter Tomaten. Die Schärfe ist perfekt ausbalanciert – intensiv, aber nie überwältigend, so dass der zarte Geschmack der Scampi voll zur Geltung kommt.
Die Scampi selbst sind saftig, zart und leicht süßlich. Sie nehmen die Sauce wunderbar auf und machen jeden Bissen zu einem Genussmoment.

Dazu gibt es geröstetes Fladenbrot bzw. Pita – außen schön knusprig, mit einem leichten Raucharoma. Ideal, um auch den letzten Rest dieser köstlichen Sauce aufzunehmen!
Kokinisto mit griechischer Pasta ist ein klassisches griechisches Schmorgericht – herzhaft, aromatisch und vollmundig. Zartes Lammfleisch gart langsam in einer reichhaltigen Tomatensauce, die auch als Kakavia bekannt ist

Die Sauce hat eine perfekte Balance zwischen leichter Süße und feiner Säure, verfeinert mit aromatischem Knoblauch und Zwiebeln. Das Lammfleisch gart stundenlang in der Sauce, bis es butterzart ist und eine herrlich würzige Tiefe entwickelt.
Dazu gibt es Kritharaki, eine traditionelle griechische Pasta, den meisten besser bekannt als Orzo. Diese kleinen, reisförmigen Nudeln werden aus Mehl und Wasser hergestellt und manchmal mit Ei verfeinert. Durch ihre besondere Form nehmen sie die aromatische Sauce perfekt auf und bilden mit ihrer zarten, leicht bissfesten Konsistenz einen wunderbaren Kontrast zum butterzarten Lammfleisch.
Das Fleisch selbst ist so zart, dass es förmlich auf der Zunge zergeht und sich harmonisch mit der würzig-säuerlichen Sauce verbindet. Butterweiche Karotten bringen eine feine Süße ins Spiel, während frischer Oregano als Topping dem Gericht eine mediterrane Kräuternote verleiht.
Die gemischte Grillplatte ist ein echtes Highlight und bietet eine leckere Auswahl an Hühner-, Rind-, Lamm- und Schweinefleisch mit griechischer Wurst und Rippchen.

Das Rindfleisch ist außen perfekt gegrillt und innen zartrosa. Es ist super saftig und butterweich mit einem tiefen, rauchigen Aroma.
Die griechische Wurst überrascht durch ihre besonders weiche, fast cremige Konsistenz. Das intensive, würzige Geschmacksprofil wird durch eine feine, leicht säuerliche Note abgerundet.
Das Schweinefleisch ist herrlich saftig und rauchig, während das Lammfleisch durch sein kräftiges, charakteristisches Aroma besticht. Der leicht rauchige Grillgeschmack harmoniert perfekt mit dem würzigen Fleischgeschmack.
Das Hähnchenfleisch ist zwar mager, aber dennoch überraschend saftig und wunderbar zart, mit einem köstlichen, leicht rauchigen Aroma, das typisch für das traditionelle griechische Grillen über Holzkohle ist.
Dazu gibt es knusprige Pommes frites und einen frischen Salat aus knackigem Kopfsalat, saftigen Tomaten, Karotten, erfrischenden Gurkenscheiben und Rotkohl. Frische Zwiebeln sorgen für eine leichte Schärfe, ein Klecks cremiges Tzatziki rundet das Ganze mit einer erfrischenden Säure perfekt ab.
Dinant ist eine kleine Stadt mit viel Charme. Die meisten Sehenswürdigkeiten sind bequem zu Fuß erreichbar. In der Umgebung gibt es zudem viele weitere lohnenswerte Ausflugsziele. Beim nächsten Mal geht es zum Château de Walzin, einer märchenhaften Festung, die strahlend weiß auf den Klippen über der Lesse thront. Außerdem wollen wir die faszinierenden Tiefen der Grotte de Dinant La Merveilleuse erkunden, die 1904 entdeckt wurde und als eine der schönsten Tropfsteinhöhlen Belgiens gilt. Dann heißt es Abschied nehmen von Dinant, aber neue Abenteuer warten schon auf uns!