Shangri-La Tag 2: Die goldene Pracht des Ganden Songtsenling Klosters

Das Ganden Songtsenling Kloster 🎬 – liegt oberhalb von Shangri-La und ist das größte tibetisch-buddhistische Kloster in ganz Yunnan. Es schmiegt sich direkt an den Berghang, seine Bauten steigen stufenweise empor und formen eine wuchtige, geschlossene Silhouette. Aus der Ferne wirkt die Anlage wie eine Festung: streng, erhaben, von stiller Autorität. Nicht umsonst trägt sie den Beinamen „Kleiner Potala-Palast“.

📍 Adresse: Niwang-Straße 3, Jiantang, Stadt Shangri-La, Autonomer Bezirk Diqing.


🕉️Geschichte, Kunst und gelebte Spiritualität

I. Historische und religiöse Bedeutung

Songtsenling ist das bedeutendste Kloster der Gelugpa-Schule (auch Gelbmützenorden genannt) in der Provinz Yunnan. Es wurde im Jahr 1679 an einem Ort gegründet, der der Überlieferung nach durch eine Weissagung des Fünften Dalai Lama, Lobsang Gyatso, bestimmt wurde. Dieser gab dem Kloster auch seinen Namen, der sinngemäß „Land der glückverheißenden Freude” bedeutet. Bis heute gilt Songtsenling als religiöses und politisches Zentrum der Gelugpa im Grenzgebiet zwischen Sichuan, Yunnan und Tibet.

  • Nach dem Tod des Sechsten Dalai Lama soll dessen Wiedergeburt, der spätere Siebte Dalai Lama, im Kloster Zuflucht vor mongolischer Verfolgung gefunden haben. Der Legende nach verwandelte der junge Dalai Lama einen Fluss in Milch – der sogenannte „Milchfluss“. Durch dieses Wunder wurde er von Kaiser Kangxi anerkannt und der Ausbau der Anlage erhielt kaiserliche Unterstützung.
  • Auch die jüngere Geschichte hat ihre Spuren hinterlassen. So zog 1936 während des Langen Marsches General He Long mit seiner Zweiten Frontarmee der Chinesischen Roten Armee durch Shangri-La. Das Kloster versorgte die Truppen mit Lebensmitteln und stellte ortskundige Führer. Als Zeichen des Dankes überreichte He Long ein besticktes Banner mit der Aufschrift „兴盛番族” – „Wohlstand für das tibetische Volk”. Das Original wird heute im Chinesischen Militärmuseum aufbewahrt.

II. Architektur und Aufbau

Die Anlage erinnert an eine hochgelegene Burgstadt. In ihrer Architektur verschmelzen tibetische, chinesische und indische Einflüsse. Der Grundriss folgt dem Mandala-Prinzip und stellt das buddhistische Weltbild symbolisch dar.

Zentrale Bauwerke:

Zhacang-Haupthalle: Mit einer Höhe von 21 Metern ist sie das monumentale Herz des Klosters. 108 massive Holzsäulen – eine im Buddhismus heilige Zahl – tragen das Dach. Bis zu 1.600 Gläubige finden hier Platz. Im Inneren befinden sich vergoldete Statuen von Tsongkhapa, dem Begründer der Gelugpa-Schule, von Maitreya, dem zukünftigen Buddha, sowie vom Siebten Dalai Lama.

Entlang der Wände reihen sich gewaltige Sutraschreine mit kostbaren Ausgaben des Kangyur und Tengyur.

Die Jikang-Halle liegt direkt neben der Zhacang-Halle. In der oberen Kapelle wird der Fünfte Dalai Lama verehrt. Hier werden besondere Schätze aufbewahrt, darunter Palmblatt-Manuskripte, Heiligtümer und Gegenstände.

Glocken- und Trommeltürme strukturieren den klösterlichen Tagesablauf.

Architektonische Details: Die massiven Außenmauern bestehen aus „Aga“-Erde und sind auf traditionelle tibetische Weise gestampft. Trapezförmige Fenster und vergoldete Kupferziegel setzen klare Akzente – ihr Glanz hat die Jahrhunderte nahezu unversehrt überdauert.

III. Religiöses und kulturelles Leben

  • Songtsenling ist kein Museum, sondern ein lebendiges Kloster, in dem die spirituellen Rituale des tibetischen Buddhismus aktiv praktiziert werden. Die Mönche leben in acht sogenannten Kangtsen, das sind regionale Wohn- und Versammlungseinheiten. Während religiöser Feste wie den philosophischen Lehrdebatten (辩经), dem Maskentanzfest (跳神节) oder dem Butterlampenfest (酥油花灯节) erwacht das Kloster zum Leben.
  • In den Hallen werden bedeutende Kunst- und Kulturschätze bewahrt, darunter eine vergoldete Statue des Buddha Shakyamuni aus der Zeit des Fünften bis Siebten Dalai Lama, Sutren in Goldtinte, kunstvoll gestaltete Thangkas und reich verzierte Räucherkessel. Zu den kostbarsten Reliquien zählen die Palmblatt-Manuskripte und die sogenannte „Ewige Flamme“, eine Lampe, die symbolisch für die unvergängliche Weisheit des Buddha steht.

🚌 Anreise zum Songtsenling-Kloster (ab Dukezong)

  • Bus: Linie 3 ab der Altstadt von Dukezong, etwa 25 Minuten Fahrzeit, 2 RMB.
  • Taxi: ca. 15 Minuten, ca. 10 RMB.
  • Auto: Parkplätze vor Ort. 3 RMB für die erste Stunde, danach 1 RMB pro angefangene halbe Stunde. Es sind Ladesäulen für E-Autos vorhanden.

📌 Gut zu wissen: Vom Besucherzentrum aus fährt ein Shuttle-Bus (10 RMB) bis zum Klostereingang. Das Kloster ist auch zu Fuß erreichbar, allerdings ist der Weg vor allem bei Bauarbeiten nicht immer leicht passierbar.


🧭So holst du das Beste aus deinem Besuch heraus

🎫„Ticket-Hack“:
Online und am Automaten gibt es meist nur das Komplettpaket für 90 RMB (Eintritt, Shuttle, Guide). Günstiger ist der Ticketverkauf am Schalter rechts in der Eingangshalle: 55 RMB Eintritt plus 10 RMB für das Shuttle, also insgesamt 65 RMB. Ausweis oder Reisepass bereithalten.

📸Aussichtspunkt:
Nach dem Aussteigen aus dem Shuttle nicht sofort ins Kloster gehen. Gegenüber vom Eingang liegt ein kleiner, unscheinbarer Erdhügel. Von dort aus eröffnet sich bei gutem Wetter ein weiter Blick über die goldenen Dächer des Klosters – ideal für ein Panoramafoto.

🕒 So erkundest du das Kloster:

1 Kurz & kompakt (ca. 1,5 Stunden): Haupttor → Tsongkhapa-Halle → Zhacang-Haupthalle → Shakyamuni-Buddha-Halle.

2 Panoramaweg (ca. 1 Stunde): Spaziergang um das Kloster über eine kleine Brücke, vorbei an alten, heiligen Bäumen und entlang des Holzstegs rund um den Lamu-Yangcuo-See, in dem sich das Kloster spiegelt.

3 Umfassende Erkundungstour (ca. 3 Stunden): Der innere „Kora-Weg“ erlaubt einen besonders detaillierten Blick auf die Architektur und andere beeindruckende Details. Die Route führt vom Haupteingang → Jidi Kangtsen → Zaya Kangtsen → Tsongkhapa-Halle → Zhacang-Haupthalle → Shakyamuni-Buddha-Halle → Rongba Kangtsen → Duke Kangtsen.

☀️ Öffnungszeiten: 7:30–20:00 Uhr (letzter Einlass 19:30 Uhr, in den Wintermonaten schließt das Kloster etwas früher❄️🕔)

🌊Ruhiger Ausklang am Lamu-Yangcuo-See:
Wer den Besuch mit einem Blick auf den Lamu-Yangcuo-See ausklingen lassen möchte, kann Route 1 oder 3 mit Route 2 kombinieren.
Nach dem Klosterbesuch sind es etwa zehn Minuten zu Fuß bis zum See. Ideal, um das Kloster im goldenen Spiegelbild des Wassers noch einmal auf sich wirken zu lassen.

🚌Rückfahrt:
Dort, wo das Shuttle hält, fährt die Buslinie 3 für 2 RMB zurück nach Dukezong. Achtung: Nach 17:30 Uhr fahren nicht alle Busse bis in die Altstadt. Plane deine Rückfahrt daher rechtzeitig.


🙏So verhältst du dich im Kloster

Dos & Don’ts:

  • Am Eingang führen rund 200 steile Stufen hinauf. Wer empfindlich auf Höhe reagiert, sollte es ruhig angehen lassen. Vor Ort erhältliche Sauerstoffflaschen oder Traubenzucker können Abhilfe schaffen.
  • Bewege dich in den heiligen Hallen stets im Uhrzeigersinn und folge der traditionellen Regel: links hinauf, rechts hinab.
  • Hüte und Sonnenbrillen sind in den Innenräumen abzunehmen. Buddha-Statuen dürfen nicht fotografiert werden. Die Kleidung sollte ebenfalls respektvoll sein, d. h. Schultern und Knie sollten bedeckt sein.
  • Die Gebetsmühlen immer im Uhrzeigersinn drehen. 🌀

⭕️Ein besonderes Andenken:
In der Haupthalle einfach links halten und dem Rundgang im Uhrzeigersinn folgen. Dort sitzt in der Regel ein Lama. Gegen eine kleine freiwillige Gabe („隨喜”) kannst du um einen Segen bitten. Der Mönch berührt dabei sanft deinen Kopf und schenkt dir ein gesegnetes Armband.


📸Eintauchen & Genießen

Traditionelle Kleidung:

In der Altstadt von Dukezong kannst du dir traditionelle tibetische Gewänder für 60–100 RMB ausleihen. Die Auswahl ist riesig. Auch Fotografen im Kloster bieten Shootings an, die nicht ganz günstig sind. Der Preis ist meist Verhandlungssache.

Kulinarische Entdeckungen:

Rund um Songtsenling: Tibetische Klassiker wie Buttertee, Tsampa (geröstetes Gerstenmehl) oder ein kräftiger tibetischer Hotpot bieten einen guten Einblick in die regionale Küche.

Zurück in Dukezongs Foodmeile:

Diesmal gibt es frittierten Käse mit Blütenblättern oder gegrillte Lammrippchen – zart, rauchig und aromatisch gewürzt.

Wer neugierig ist, kann Yunnans berühmte Insekten-Snacks probieren, zum Beispiel frittierte Seidenraupen oder sogar Spinnen. Sie sind fester Bestandteil der Esskultur und zeugen von der großen Biodiversität der Region. Knusprig, leicht nussig, der Geschmack kommt vor allem von den Gewürzen – gewöhnungsbedürftig, aber einmalig Erfahrung 😱🦋💪

Nicht verpassen: Yak-BBQ mit regionalen Bergpilzen.

Die Pilze aus den hochgelegenen, unberührten Wäldern sind besonders aromatisch und saftig. Zusammen mit zartem, kräftigem Yakfleisch, in frische Salatblätter gewickelt, entfaltet jeder Bissen eine vielschichtige Mischung aus erdigen, kräuterigen und rauchigen Noten.


In den Bergen. Im Geist des Buddha. In der Welt.

So wie sich Flüsse ihren Weg durch endlose Bergketten bahnen, zieht Shangri-La uns unaufhörlich in seinen Bann. Die nächste Etappe führt in den Pudacuo-Nationalpark, der oft als „letztes unberührtes Paradies der Erde“ bezeichnet wird. Dort spiegeln die smaragdgrünen Gewässer des Shudu-Sees die schneebedeckten Gipfel, während die tibetischen Bergwiesen sanft in die hochgelegenen Wälder überleiten. Man sagt, in Pudacuo sei die ursprüngliche Kraft der Natur noch zu spüren. 🌿🏔️💫

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