Chengdu Teil 4: Von Angesicht zu Angesicht mit dem großen Buddha von Leshan

Der größte steinerne Buddha der Welt

Hoch über dem Zusammenfluss der drei gewaltigen Flüsse Min (岷江, Min Jiang), Qingyi (青衣江, Qingyi Jiang) und Dadu (大渡河, Dadu He) thront die größte in Stein gemeißelte Skulptur eines sitzenden Buddha der Welt🎬.

Die offizielle Bezeichnung lautet „Großer Maitreya-Steinbuddha des Lingyun-Tempels von Jiazhou“ (嘉州凌云寺大弥勒石像), geläufiger ist jedoch die Bezeichnung „Großer Buddha von Leshan“. Die monumentale Statue misst beeindruckende 71 Meter in der Höhe. Allein der Kopf ist 14,7 Meter groß, die Ohren jeweils 7 Meter lang und auf den 8,5 Meter breiten Füßen könnten über 100 Menschen Platz finden.

Der Bau begann im Jahr 713 n. Chr. während der Tang-Dynastie und dauerte fast 90 Jahre. Mit unglaublicher Ausdauer und handwerklichem Geschick wurde die Figur direkt aus dem roten Sandstein der steilen Felsklippen gemeißelt. Heute zählt dieses gewaltige Meisterwerk zum UNESCO-Weltkulturerbe und wacht seit über 1.200 Jahren ehrfurchtgebietend über die Flüsse zu seinen Füßen.

So gelangst du von Chengdu zum Großen Buddha von Leshan

Am einfachsten erreichst du den Großen Buddha mit dem Hochgeschwindigkeitszug vom Bahnhof Chengdu Ost (成都东站) nach Leshan (乐山站). Die Fahrt dauert etwa eine Stunde. Vom Bahnhof Leshan aus bringt dich die Buslinie 3 bequem bis zur Haltestelle Guichengshan (龟城山), die nicht weit vom Eingang zur Anlage entfernt ist.

Wenn du mit dem Auto unterwegs bist, fahre direkt zum Nordtor (北门, Běi Mén) des Parks „Giant Buddha Scenic Area”.

Drei Wege, den Großen Buddha zu erleben: per Boot, zu Fuß oder mit einem Schnappschuss

Bootstour – Die beste Panorama-Aussicht

  • Tickets:
    • Standardpreis: ¥70
    • Priority Boarding (weniger Wartezeit, Zugang zum Oberdeck): 158 ¥ – ideal für Familien (Kinder unter 1,20 m fahren kostenlos) und alle, die wenig Zeit haben.
  • Dauer: ca. 25 Minuten
  • Highlights:
    • Unverstellter Blick auf die gesamte Buddha-Statue
    • Spektakuläre Perspektive auf den Zusammenfluss der drei Flüsse
    • Perfekte Fotomotive vom offenen Oberdeck

Zu Fuß – ganz nah am Buddha

  • Eintritt: 80 Yuan, für Senioren ab 60 Jahren kostenlos
  • Öffnungszeiten: 8:00–17:30 Uhr
  • Dauer: etwa 2–3 Stunden
  • Inklusive sind der Große Buddha von Leshan, der Wuyou-Tempel (乌尤寺, Wūyóu Sì) und die Felsengräber von Mahaoyamu (麻浩崖墓, Máhào Yámù).
  • Shuttle-Service im Park:
    • Einzelfahrt: 20 ¥
    • Tagesticket: 30 ¥
  • Warum lohnt sich der Aufstieg?
    • Erlebe den historischen Pilgerpfad mit seinen 333 Stufen ganz unmittelbar!
    • Spüre die Geschichte hautnah und berühre die wettergegerbten Zehen des Buddha.
    • Der schmale Holzsteg entlang der Felswand führt dich auf Augenhöhe mit der Statue und schenkt dir atemberaubende Ausblicke.
    • Entdecke außerdem weitere Sehenswürdigkeiten wie den Drachenpool und die Tigerhöhle.
  • Bootstour oder Wanderung – was ist die bessere Wahl?

Die Antwort lautet: Es kommt darauf an. Wenn du Zeit und Energie mitbringst, erwartet dich beim Aufstieg ein echtes Gänsehaut-Erlebnis ganz nah am Buddha. Wenn du es lieber entspannt angehen lässt oder knapp bei Zeit bist, ist die Bootstour die perfekte Alternative und bietet dir ein großartiges Panorama.

  • Noch mehr Buddha-Kunst gefällig? Dann lohnt sich ein Abstecher zum „Oriental Buddha Park“ (chinesisch: 东方佛都, pinyin: Dōngfāng Fódū).

Er ist direkt über das Hintertor des Leshan-Buddha-Parks erreichbar und beherbergt mit über 10.000 Buddha-Statuen eine der größten Sammlungen weltweit. Darunter befindet sich mit einer Länge von 170 Metern auch der größte liegende Buddha der Welt. Die Anlage entstand im Rahmen eines Kulturprojekts und ist ein echtes Highlight für alle, die sich für buddhistische Kunst begeistern.

Wenn dein Fokus jedoch auf dem Großen Buddha aus der Tang-Dynastie liegt, ist der Oriental Buddha Park kein Muss. Der Eintritt kostet 80 Yuan extra und du solltest etwa ein bis zwei Stunden für den Besuch einplanen.

3. Blick aus der Ferne – ganz ohne Ticket

Keine Lust auf den Aufstieg? Keine Bootstickets mehr bekommen? Kein Problem! Einen Blick auf den Großen Buddha gibt es auch ganz ohne Ticket – und zwar von der Uferpromenade bei der Leshan Normal University (乐山师范学院, Lèshān Shīfàn Xuéyuàn) oder dem Huide Sunshine Building (汇得阳光大厦) nahe der Binhe Road (滨河路). Von dort aus hast du freie Sicht auf die eindrucksvolle Statue. Ideal für alle, die einen kurzen Abstecher machen möchten, ein kleines Reisebudget haben oder dem Trubel aus dem Weg gehen wollen.

Schritt für Schritt: Die Wanderroute zum Großen Buddha

  1. Nordtor (北门, Běi Mén) – Der Starpunkt
  2. Die 333-stufige Pilgertreppe (古拜佛道 Gǔ Bài Fó Dào) 

Diese jahrhundertealte Steintreppe war einst der Hauptweg für Pilger. Auch heute steigen Mönche und Gläubige aus spiritueller Hingabe noch die Stufen hinauf – ein eindrucksvolles Stück lebendige Geschichte.

  1. Drachenteich (龙湫, Lóng Qiū) und Tigerhöhle (虎穴, Hǔ Xué) 

Der Legende nach lebten in der Höhle einst Tiger, die das heilige Gelände beschützten.

Der eisenhaltige, rote Sandstein ließ sich zwar gut bearbeiten, ist aber besonders anfällig für Witterungseinflüsse. Die Erhaltung der riesigen Figur ist daher eine ständige Herausforderung.

  1. Die Mahao-Felsengräber (chinesisch: 麻浩崖墓)

Diese Grabstätten aus der Han-Dynastie (206 v. Chr.–220 n. Chr.) zeugen von einer Zeit, die viele Jahrhunderte vor dem Bau des Großen Buddha liegt, als der Taoismus in der Region noch kaum eine Rolle spielte. Sie eröffnen einen seltenen Einblick in das vorbuddhistische Leshan.

  1. Der Jiuqu-Bohlenweg (chinesisch: 九曲栈道, Jiǔ Qū Zhàn Dào)

Der schmale Weg windet sich in Zickzackform entlang der Felswand und eröffnet atemberaubende Ausblicke auf den Zusammenfluss der drei Flüsse. Besonders faszinierend ist das Farbenspiel, wenn das smaragdgrüne Wasser des Min auf das goldbraune Wasser des Dadu und das hellblaue Wasser des Qingyi trifft – ein beeindruckendes Naturschauspiel.

  1. Aussichtsplattform am Kopf des Buddha

Von dieser Aussichtsplattform aus kannst du das 14,7 Meter hohe Gesicht des Buddhas aus nächster Nähe betrachten: die halbgeschlossenen Augen, die sieben Meter langen Ohren und die 1.021 kunstvoll gedrehten Haarknoten. Sein sanftes Lächeln wirkt einladend und begrüßt die Besucher schon von weitem.

  1. Die Füße des Buddhas

Berühre die gewaltigen Zehen, die zusammen eine Breite von 8,5 Metern (je Fuß) erreichen. Über Jahrhunderte hinweg haben Pilger hier ihre Handabdrücke hinterlassen.

  1. Lingbao-Pagode (灵宝塔 Líng Bǎo Tǎ) – Eine buddhistische Pagode aus dem 13. Jahrhundert
  2. Osttor (东门 Dōng Mén) – Hier endet die Route

Fun Facts rund um den Großen Buddha

Ein Buddha, der die Flüsse besänftigen sollte

Die Idee zum Bau geht auf den mitfühlenden Mönch Hai Tong (海通) zurück. Er wollte eine riesige Buddha-Statue errichten, um die Region zu segnen und die gefährlichen Strömungen zu beruhigen, durch die immer wieder Boote kenterten.

Seine Vision war sowohl spirituell als auch erstaunlich praktisch: Das beim Heraushauen des Felsens abgetragene Gestein landete im Flussbett und schwächte die Strömung tatsächlich etwas ab.

Ein uraltes Entwässerungssystem

Verborgene Kanäle im Haar, im Gewand und hinter den Ohren des Buddha bilden ein ausgeklügeltes System, das seit über 1 200 Jahren für Belüftung sorgt und Feuchtigkeit ableitet – und so der Erosion vorbeugt.

Das Geheimnis der verborgenen Kammer

Im Jahr 1962 entdeckte man im Brustbereich des Buddha einen geheimen Raum. Bis heute hält sich das Gerücht, darin könnten sich verborgene Schätze befinden.

Weitere Tipps für Besucher

  • Die beste Reisezeit ist von Mai bis November, wenn das Wetter besonders angenehm ist.
  • In der Hauptsaison zwischen dem 1. April und dem 7. Oktober musst du mit großem Besucherandrang rechnen.
  • Unser Tipp zum Ticketkauf: An chinesischen Feiertagen solltest du Tickets für Bootstouren oder Wanderungen am besten schon einen Tag im Voraus sichern.

Die Küche von Leshan

Wer Sichuan bereist, ohne in Leshan gegessen zu haben, hat das wahre Sichuan – so heißt es oft – nicht erlebt. Die Stadt ist ein Paradies für Feinschmecker, so sehr, dass die Einheimischen augenzwinkernd behaupten, man könne hier problemlos „18 Mahlzeiten am Tag“ genießen.

Leshan ist Sichuans kulinarischer Geheimtipp. Die lokale Küche besticht durch aromatische Vielfalt, betörende Düfte und traditionsreiche Rezepte, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Um das authentische Leshan zu erleben, sollte man unbedingt die beliebten Food Streets wie Zhanggongqiao (张公桥), Shangzhongshun (上中顺) oder Jiaxing Road (嘉兴路) besuchen. Dort findet man alle typischen Klassiker der Region.

Qiaojiao Niurou (跷脚牛肉) – Leshans legendärer Rindfleischtopf

Dieser Streetfood-Klassiker vereint zartes Rindfleisch und Innereien in einer klaren, kräftigen Brühe, die stundenlang auf Knochenbasis mit Gewürzen wie Sternanis, Ingwer und Sichuanpfeffer gekocht wird. Besonders begehrt sind die hauchdünn geschnittenen Fleischscheiben, die in wenigen Sekunden gar sind und direkt aus dem Topf auf den Teller wandern.

Serviert wird das Ganze mit einem rauchig-scharfen Chili-Dip, der den Geschmack perfekt abrundet. Das Fleisch ist butterzart, die Kutteln sind genau auf den Punkt gegart und die Brühe ist so aromatisch, dass man sie am liebsten bis zum letzten Tropfen auslöffeln möchte.

Bobojii (钵钵鸡) – kalte Fleisch- und Gemüsespieße

Saftiges Fleisch und knackiges Gemüse schwimmen in einer würzigen Mischung aus Chiliöl oder einer betäubenden Sauce mit Sichuanpfeffer. Jede Portion wird zusätzlich mit gerösteten Sesamkörnern bestreut.

Die scharfe Variante kommt mit einer intensiven Knoblauch-Chili-Soße daher, die an jedem Bissen haften bleibt und für ordentlich Feuer sorgt. Die betäubende Version besticht durch die prickelnde, blumige Schärfe der Sichuanpfeffer-Marinade, die von einer feinen Süße abgerundet wird.

Ente mit knuspriger, karamellisierter Haut (甜皮鸭)

Ein absolutes Muss! Ihre hauchdünne, glasige Haut ist knusprig und mit einer feinen Malzzuckerglasur überzogen. Sie zergeht förmlich auf der Zunge und entfaltet eine angenehme Süße. Dahinter verbirgt sich saftiges, aromatisches Fleisch, das so zart und samtig ist, dass es locker mit der berühmten Pekingente mithalten kann.

Das Fett schmilzt perfekt und sorgt dafür, dass das Gericht herrlich reichhaltig, aber nie zu schwer wirkt.

Nudeln mit Erbsenmus (豌杂面)

Ein echtes Wohlfühlgericht aus Leshan: Die goldgelben Erbsen werden zu einem samtigen, fast cremigen Mus verarbeitet, das auf den Nudeln wie Butter zergeht.

Dazu gesellt sich ein Dressing aus Chiliöl, geröstetem Knoblauch und der frischen Säure von Yacai, einem eingelegten Senfgemüse, das jede Nudel perfekt umhüllt. Gut durchmischen, bis das Erbsenmus und die Nudeln verschmelzen, und dann genussvoll losschlürfen!

Leshan Tofu-Pudding (豆腐脑)

Im Gegensatz zu den klassischen süßen Varianten wird dieser herzhafte Tofu-Pudding mit Chiliöl, Erdnüssen, eingelegtem Gemüse und Frühlingszwiebeln serviert. Er besticht durch seine seidige, zarte Konsistenz und verbindet die würzigen, nussigen und leicht säuerlichen Aromen der fermentierten Zutaten zu einem harmonischen Geschmackserlebnis.

Leshan-Reiswein (乐山米酒) – ein milder, lokal gebrauter Reiswein mit einem Alkoholgehalt von ca. 3 %.

Dieser leicht fermentierte Reiswein ist prickelnd, blumig und angenehm mild. Er bringt eine dezente Süße mit einer feinen, frischen Säurenote mit.

Man schmeckt die sanfte Honignote der fermentierten Reiskörner, während die kleinen, klebrigen Reisbällchen für ein besonderes Erlebnis sorgen. Ein leichter, erfrischender Abschluss zu einer herzhaften Mahlzeit.


Wir nehmen Abschied vom friedlichen Blick des riesigen Buddhas und freuen uns bereits jetzt auf unsere nächste Reise. Wir schlendern durch die poetischen Bambuswälder rund um Du Fus Strohdach-Hütte, entdecken die modernen Facetten Chengdus – von der belebten Chunxi Road bis zum stilvollen Einkaufsviertel TaiKoo Li – und genießen den traditionellen „Neun-Fächer-Hotpot“. Also schon mal den Gürtel lockern: Chengdu, wir kommen wieder!

27 Gedanken zu „Chengdu Teil 4: Von Angesicht zu Angesicht mit dem großen Buddha von Leshan“

  1. Wow that was strange. I just wrote an very long comment but after I clicked submit my comment didn’t show up. Grrrr…
    well I’m not writing all that over again. Anyhow, just wanted to say fantastic blog!

  2. Ich habe den Leshan-Buddha vor etwa 18 Jahren besucht. Unser Reiseleiter erzählte der Gruppe, dass sich ein weiterer schlafender Buddha hinter dem Leshan-Buddha auf dem Berg versteckt. Er sagte, nicht jeder könne ihn sehen.

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