Nur 30 Autominuten vom Stadtzentrum Luxemburgs entfernt, thront das Schloss Vianden auf einem kleinen Hügel und wirkt wie das Tor zu einer mittelalterlichen Welt. An unserem Besuchstag hüllt ein leichter Nieselregen die Szenerie in einen fast märchenhaften Schleier.

Vom Parkplatz führte uns ein kurzer Weg den Hügel hinauf zur Burg. Vor uns breitete sich eine regennasse Landschaft aus – ein Bild in herbstlichen Farben, das sich weit bis zum Horizont erstreckte.

Die beige-weißen, grau-braunen Mauern des Schlosses strahlen einen verwitterten Charme aus. Im 14. Jahrhundert von der Adelsfamilie von Vianden erbaut, diente die Burg einst sowohl als Festung als auch als prachtvolle Residenz. Die gotisch-romanische Architektur spiegelt den Stil der Zeit wider.

Im Inneren des Schlosses bietet die Küche einen faszinierenden Einblick in die kulinarische Welt des Mittelalters. Sorgfältig in hölzernen Truhen aufbewahrt, finden sich hier alte Küchengeräte und Gewürze. Unter den Gewürzen befinden sich zum Beispiel Meerrettich, ein scharfes Grundnahrungsmittel der damaligen Küche, und Safran, ein Luxusgewürz, das nur den Wohlhabenden vorbehalten war. Auch Sesam, der über weite Handelswege nach Europa gelangte, und Koriander, der in vielen Alltagsrezepten Verwendung fand, sind hier zu finden. Diese Mischung aus heimischen und exotischen Zutaten spiegelt eine reiche Handelsgeschichte wider, die die mittelalterliche Kochtradition prägte.



Der spärlich beleuchtete Weinkeller, gesäumt von alten Fässern, erinnerte mich an rauschende mittelalterliche Feste, die hier in den dunklen Steinmauern stattgefunden haben mussten. Auf den langen, grob behauenen Holztischen standen Kerzen in schmiedeeisernen Haltern, deren Flammen tanzende Schatten auf die Steinwände warfen.

Der Duft von reifem Wein vermischte sich mit dem Aroma von gebratenem Fleisch, würzigem Eintopf und frisch gebackenem Brot. Die Gäste, in Wolle und Leinen gehüllt, erhoben ihre Weinkelche und stießen auf das Fest an. Gespräche und Gelächter hallten durch den Raum, während im Hintergrund Musiker auf Lauten und Dudelsäcken spielten und das Fest in vollem Gange war. Bei dem Gedanken fühlte ich mich an eines meiner liebsten Videospiel-„Franchises“ erinnert, The Witcher.
Die Schlafkammern gewähren einen faszinierenden Einblick in das mittelalterliche Alltagsleben und offenbaren zugleich die damalige Gesellschaftsstruktur. Im Raum stehen zwei lebensechte Puppen: eine Dame und ihre Zofe.

Die Dame trägt ein tiefdunkles, fließendes Samtkleid, das mit kunstvollen Stickereien verziert ist. Die leicht ausgestellten Ärmel schimmern in dezenten Farben, ein filigraner Kopfschmuck rundet ihre edle Erscheinung ab. Ihre Kleidung wirkt opulent und zurückhaltend zugleich – Ausdruck ihres gehobenen Standes, der ihr dennoch eine gewisse Bewegungsfreiheit innerhalb der gesellschaftlichen Normen ihrer Zeit erlaubte.
Neben ihr steht ihre Zofe, die deutlich schlichter gekleidet ist. Ihr praktisches Wollkleid ist weit geschnitten, dazu trägt sie eine um die Taille gebundene Schürze – perfekt für den Alltag. Ihr zurückhaltendes Auftreten entspricht der Rolle der Dienerschaft, für die Funktionalität wichtiger war als modische Eleganz.
Der wohl eindrucksvollste Raum des Schlosses ist die in satten Braun- und Blautönen gehaltene Kapelle. Dieser sakrale Raum, der vermutlich für private Gebete genutzt wurde, verbindet kräftige Farben mit stiller Erhabenheit.

Nach der Besichtigung des Schlosses Vianden sollte man sich den Aussichtspunkt in der Nähe nicht entgehen lassen, der nur 5 bis 10 Gehminuten entfernt ist. Der Weg dorthin führt durch goldrotes Laub und bietet einen atemberaubenden Blick auf die Burg. Die Szenerie wirkt wie ein lebendiges Gedicht: goldene Herbstblätter leuchten im Vordergrund, während die Burg majestätisch vor den nebelverhangenen Hügeln in der Ferne thront.

Nur etwa 30 Autominuten von der Burg Vianden entfernt liegt das Müllerthal, auch liebevoll „die kleine Schweiz Luxemburgs“ genannt. Auch wenn bei unserem Besuch Teile des Wanderweges gesperrt waren, darunter die idyllische Kallektuffquelle in der Schwarzen Ernz, hat sich die Fahrt gelohnt.

Überall leuchtet das Laub in herbstlichen Farben, sattes Grün säumt die Wege. Hohe Kiefern stehen fest und unverrückbar, ihre tiefgrünen Nadeln glänzen im Regen. In der Stille der Nebensaison hatten wir das Gefühl, den Wald fast für uns allein zu haben – keine Menschenmassen, nur das rhythmische Knirschen unserer Stiefel auf dem regenweichen Boden.

Die Luft, frisch und klar vom Regen, fühlte sich bei jedem Atemzug belebend an. Bäche plätscherten unter malerischen Holzbrücken, ihr Rauschen vermischte sich mit dem Flüstern des Herbstes. Buntes Laub bedeckte den Boden wie ein warmer Teppich und verlieh dem kühlen, feuchten Nachmittag eine wohlige Wärme.

Unsere Reise führte uns weiter nach Echternach, der wohl ältesten Stadt Luxemburgs, nur etwa 15 Autominuten vom Müllerthal entfernt. Als wir in der Abenddämmerung ankamen, erinnerte uns die Szenerie an ein altes Ölgemälde. Das regennasse Kopfsteinpflaster glänzte im sanften Schein der goldenen Straßenlaternen.


Auf dem Marktplatz stand ein hoher Weihnachtsbaum, der mit silbernen Lichterketten geschmückt war. Ein mittelalterlicher Brunnen verlieh der Kulisse einen märchenhaften Charme.

Im Herzen der Stadt erhebt sich die Basilika Sankt Willibrord, ein schlichtes, aber imposantes Bauwerk, dessen romanische Türme sich in den saphirblauen Abendhimmel ragen. Dieser bedeutende Sakralbau ist dem Heiligen Willibrord gewidmet, der im frühen Mittelalter eine Schlüsselrolle bei der Verbreitung des Christentums in der Region spielte.


Unmittelbar neben der Basilika liegt die Abtei von Echternach, deren Ursprünge bis ins frühe Mittelalter zurückreichen. Einst Zentrum klösterlichen Lebens, dienen die Gebäude heute vor allem kulturellen und administrativen Zwecken.

Ein Spaziergang durch die stille, fast menschenleere Altstadt hatte etwas Zeitloses. Ein Hauch von Nostalgie lag in der Luft und das sanfte Licht der Dämmerung wirkte fast wie aus einem Ölgemälde. Die weihnachtlichen Dekorationen in den Straßen und an den Häusern der Stadt verliehen dem klaren Herbstabend einen festlichen Glanz.

Weitere Tipps für Deinen Besuch:
- In der Nebensaison kann es vorkommen, dass einige Sehenswürdigkeiten oder Wanderwege nur eingeschränkt zugänglich oder ganz gesperrt bzw. geschlossen sind.
- Erkunde die malerischen Wanderwege rund um das Schloss Vianden. Sie gehören zu den schönsten Burgenwanderungen Luxemburgs und bieten atemberaubende Ausblicke auf die umliegende Landschaft. (Mehr Infos hier)
- Wenn du etwas Zeit mitbringst, laden der idyllische Echternacher See und die umliegenden Wälder zu einer erholsamen Pause ein.
- Da es viele Wandermöglichkeiten gibt, solltest du bequeme Schuhe und Kleidung für wechselhaftes Wetter einpacken.
In der Altstadt stießen wir auf das gemütliche, familiengeführte Restaurant An Haal, das eine vielfältige Auswahl bietet – von frischen Salaten und Fischplatten über Steaks und Schnitzel bis hin zu Pizza und Pasta.
Unser erstes Hauptgericht ist die Tarte Flambée Forestière – eine Variante des klassischen Flammkuchens, der ursprünglich aus der elsässischen und badischen Küche stammt.

Der Teig ist hauchdünn und knusprig, mit schönen goldbraunen Rändern. Die perfekte Basis, um die leckeren Zutaten wie geräucherten Speck, erdige Pilze, süße Zwiebeln und frische Frühlingszwiebeln darauf zu kombinieren. Geschmolzener Käse bildet eine cremige, würzige Schicht und rundet das Ganze ab.
Weiter geht es mit den Médaillons de Biche avec Chou Rouge, Pomme et Spätzle, einer raffinierten Symbiose aus französischer Eleganz und herzhaften deutschen Einflüssen.

Die zarten Rehmedaillons (Biche) sind medium-rare gegart, saftig und unglaublich lecker. Der Geschmack ist intensiv, leicht erdig mit der für Wildfleisch typischen natürlichen Tiefe. Trotz ihrer zartschmelzenden Textur haben sie einen angenehmen Biss. Etwas frische Petersilie rundet die Medaillons mit einer schönen Kräuternote ab.

Die Sauce, die auf einem kräftigen Rotwein basiert, hat eine feine Säure, die durch eine dezente Süße ausgeglichen wird – das macht sie wunderbar samtig und bringt den reichen Geschmack des Wildfleisches noch besser zur Geltung.

Das Rotkraut, wahrscheinlich mit Äpfeln geschmort, sorgt für einen süßsauren Kontrast, während die Birne mit ihrem honigsüßen Aroma perfekt mit dem herzhaften Rehfleisch harmoniert. Wild und Obst ist eine klassische Kombination in der europäischen Küche, wobei die süßen und säuerlichen Aromen der Früchte den kräftigen Geschmack des Wildfleisches ergänzen und ausgleichen.
Dazu gibt es Spätzle, die mit knusprigen Frühlingszwiebeln und Speck verfeinert sind. Diese zarten, luftigen Nudeln haben durch die Röstaromen eine herrlich rauchige und knusprige Note – sie bilden die perfekte Grundlage für die Rehmedaillons.

Als krönenden Abschluss haben wir uns für Profiteroles au Chocolat entschieden – ein klassisches französisches Dessert.

Die kleinen Windbeutel aus Brandteig (Pâte à Choux) sind mit einer köstlichen Vanillecreme gefüllt. Die Füllung ist süß, duftet nach Vanille und hat eine samtige, fast puddingartige Konsistenz, die perfekt zum luftigen Teig passt. Jede Profiterole ist mit einer Schicht Zartbitterschokolade überzogen, die dem Dessert eine herrlich bittersüße Note verleiht.
Serviert mit luftiger Schlagsahne erhält das Dessert eine Extraportion Dekadenz, während frische Beeren für Fruchtigkeit sorgen. Das harmonische Zusammenspiel von cremigen, knusprigen und fruchtigen Elementen sorgt für ein besonders luxuriöses Finish.
Während sich unsere Zeit in Luxemburg dem Ende zuneigt, blicken wir schon gespannt auf unsere letzte Etappe: Dinant in Belgien. Mit seiner malerischen Kulisse entlang der Maas und seinen historischen Sehenswürdigkeiten ist Dinant der ideale Ort, um unsere Reise ausklingen zu lassen. Bleibt dran – denn unser Abenteuer ist noch lange nicht zu Ende!