Lissabon Teil 5: Zeitgenössische Architektur, das Oceanário und die portugiesische Küche

Heute stehen wir früh auf und wagen uns hinaus in die milde Küstenluft Lissabons, während die Stadt noch halb im Schlafen liegt. Leichter Nebel wabert durch die stillen Gassen der Baixa, dem historischen Zentrum und zugleich einem der lebendigsten Viertel der Stadt. In der Ferne glitzert der Tejo im Morgenlicht, und hinter jeder Ecke eröffnet sich ein neuer Blick auf das Castelo de São Jorge, das im Licht der aufgehenden Sonne erstrahlt.

Zum Frühstück haben wir uns ein gemütliches Plätzchen mit Blick auf den Rossio-Platz ausgesucht. Hier genießen wir einige unserer Lieblingsgerichte am Morgen: knusprigen Speck, fluffiges Rührei und ein saftiges Omelett. Dazu gibt es eine Tosta Mista – ein portugiesisches Sandwich mit goldbrauner, knuspriger Kruste, geschmolzenem Käse und herzhaftem Schinken. Einfach, aber genau das Richtige, um sich für den Tag zu stärken.

Unser Ziel ist der Parque das Nações, ein faszinierendes Meisterwerk der Moderne in Lissabon. Einst Schauplatz der Expo 98, die unter dem Motto „Die Ozeane, ein Erbe für die Zukunft“ stand, ist das Gelände heute eine beliebte Touristenattraktion.

Die gesamte Anlage wirkt sehr futuristisch und besteht aus weitläufigen Plätzen und extravaganten modernen und avantgardistischen Kunstinstallationen. Besonders hervorzuheben ist die markante Skulptur „Homem-Sol“ (Mensch-Sonne) von Jorge Vieira. Die kraftvolle, dunkle Metallfigur besticht durch ihr abstraktes, menschenähnliches Design und ihre spitzen, scharfen Kanten. Sie verkörpert die Verschmelzung des Menschlichen mit dem Kosmischen und symbolisiert das menschliche Streben nach Entdeckung und Erforschung.

Die beste Perspektive auf dieses ikonische Kunstwerk und den umliegenden Platz hat man von der obersten Etage des Vasco da Gama Shopping Centers. Vom dortigen Food Court gelangt man auf eine Terrasse, die einen erhöhten Blick auf die Skulptur und den Parque das Nações bietet.

In unmittelbarer Nähe befindet sich ein weiteres außergewöhnliches Kunstwerk: Lince Ibérico, eine imposante Metallskulptur, die an eine riesige Katze erinnert und aus bunten Patchworkteilen (verschiedene Metallteile, die zu einer Form zusammengefügt wurden) besteht. Die Skulptur erinnert an den Iberischen Luchs, eine der am stärksten bedrohten Tierarten der Region.

Der zentrale Platz wird von den Zwillingstürmen São Gabriel und São Rafael flankiert, zwei Hochhäusern mit spitz zulaufenden Dächern, die an Schiffsmasten erinnern – eine Hommage an die maritime Geschichte Portugals. Ein paar Meter weiter bringt eine Eisenskulptur, die zwei tanzende Figuren darstellt, Bewegung und Leben in den ansonsten weiten, offenen Raum.

Wir spazieren am Ufer entlang, wo der Weg von rot blühenden Bäumen gesäumt ist. Er verläuft parallel zu den Seilbahnlinien und wir empfehlen, bis zur Seilbahnstation zu gehen, um dort ein Einzelticket für die malerische Rückfahrt mit der Seilbahn zu kaufen.

Direkt neben der Seilbahnstation steht der 145 Meter hohe Vasco-da-Gama-Turm, der mit seiner Segelform und dem weiten Blick über den Tejo den unerschütterlichen Geist der Entdecker verkörpert. Stolz überragt er die Skyline Lissabons und symbolisiert die enge Verbindung der Stadt mit dem Meer.

Die Fahrt mit der Seilbahn bietet einen atemberaubenden Panoramablick über das gesamte Gelände der Expo 98: auf der einen Seite die Küste, auf der anderen Seite der Parque das Nações. Aus der Vogelperspektive erscheint die ikonische Vasco-da-Gama-Brücke, die sich elegant über den Fluss spannt, schier endlos. Ihre Bögen scheinen mit dem kristallklaren Wasser darunter zu verschmelzen, das den wolkenlosen blauen Himmel widerspiegelt.

Nach der Fahrt mit der Seilbahn gelangt man wenige Meter von der Seilbahnstation entfernt zum Eingang des Oceanário de Lisboa, dem größten überdachten Aquarium Europas. Mit seinem riesigen zentralen Becken und einer beeindruckenden Vielfalt an Meereslebewesen ist es ein absolutes Highlight in Lissabon. Für den Besuch sollte man etwa 2 bis 3 Stunden einplanen. Tickets sind am Eingang erhältlich und das Aquarium ist täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet.

Einer der beliebtesten Bewohner des Oceanário ist der Enhydra Lutris, besser bekannt als Seeotter, eine seltene Art, die im Rahmen eines Artenschutzprogramms aufgenommen wurde. Sein putziges Verhalten verzaubert die Besucher: Fast ununterbrochen ist der Otter damit beschäftigt, sein Fell zu pflegen – manchmal bis zu 1.000 Mal am Tag! Dieses ausgiebige Pflegeritual ist für den Seeotter überlebenswichtig, denn nur ein perfekt gepflegtes Fell kann Luft einschließen und ihn so im kalten Wasser warm halten.

Im Aquarium trifft man auf viele faszinierende Meeresbewohner, darunter einen mächtigen Hai, der dicht an einem vorbeischwimmt. Mit seinen scharfen Zähnen wirkt er faszinierend und bedrohlich zugleich – vor allem auf die Kinder, die oft in größeren Schul- und Kindergartengruppen zu Besuch kommen und vor Angst und Aufregung quieken.

Dann taucht plötzlich ein flacher Rochen auf, dessen Kiemen an der Körperunterseite hervorstehen und fast wie ein verträumtes Gesicht wirken. Gleich daneben schwimmt ein ungewöhnlicher blauer Drückerfisch, dessen markante Unterlippe ihm einen lustigen Schmollmund verleiht.

Medusen, besser bekannt als Quallen, treiben vorbei, manche mit langen, gespenstischen Tentakeln, andere wie kleine blaue Pilze mit gepunkteten Schirmen, die im schwachen Licht schimmern.

Wir entdecken einen großen Fetzenfisch (Phycodurus eques), eine besondere Art des Seedrachens, dessen goldener Körper mit seinen blattförmigen Fortsätzen sich perfekt in die Unterwasserpflanzen einfügt.

Und natürlich ist auch „Nemo“ (ein Clownfisch) mit seinen bunten Freunden in den Korallenriffaquarien zu sehen.

Der Mondfisch, auch Mola Mola genannt, ist aufgrund seiner Seltenheit und seiner gigantischen Größe einzigartig und gilt als der größte Knochenfisch der Welt. Ein ausgewachsener Mola Mola kann über drei Meter lang und mehr als zwei Tonnen schwer werden.

Es ist wirklich atemberaubend, wie er langsam an uns vorbeischwimmt und uns mit seinem tiefen, nachdenklichen Blick anschaut. In diesem Moment ist es, als hätten wir eine telepathische Verbindung zu einem der ältesten Geheimnisse des Ozeans.

Für den kleinen Hunger zwischendurch gibt es im Oceanário ein Café mit leckeren vegetarischen Angeboten. Wir probierten gebackene Süßkartoffelchips – knusprig, süß und rauchig – mit würzigem Tomatentatar und herzhaft gerösteten Brotcroutons. Ein idealer Snack, während man die Unterwasserwelt bewundert.

Weitere Tipps für deinen Besuch:
  • Ein absolutes Highlight ist das Oceanário de Lisboa, das größte überdachte Aquarium Europas, das man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Es empfiehlt sich, etwa 2 bis 3 Stunden einzuplanen, um alles in vollen Zügen genießen zu können. Der Eintritt für Erwachsene beträgt derzeit 25 € und kann direkt am Eingang erworben werden (mehr Infos findet ihr hier).
  • Veranstaltungen in den Expo-Hallen: Die Altice Arena und die FIL (Internationale Messe Lissabon) gehören zu den bekanntesten Veranstaltungsorten der Region, in denen regelmäßig Konzerte, Messen und Festivals stattfinden. Das aktuelle Programm kann online eingesehen werden (mehr Infos zu den Veranstaltungen in der Altice Arena hier und zur FIL hier) – eine gute Gelegenheit, die Kulturszene Lissabons zu entdecken.
  • Verpflegung: Im Centro Vasco da Gama im Parque das Nações gibt es einen Foodcourt, aber das kulinarische Angebot in der Umgebung ist eher begrenzt. Wer echte portugiesische Küche erleben möchte, sollte den Weg zurück ins Stadtzentrum auf sich nehmen.
  • Anreise: Mit der roten Metrolinie (Linha Vermelha) gelangt man vom Zentrum Lissabons in ca. 20-25 Minuten zur Metrostation Oriente. Von dort aus sind zahlreiche Sehenswürdigkeiten wie das Aquarium, das Messegelände und die malerische Uferpromenade bequem zu Fuß zu erreichen.

Nach unserem Ausflug in den Parque das Nações kehren wir ins lebhafte Bairro Alto zurück, wo wir das Duque entdecken – ein gemütliches Restaurant, das auch bei den Einheimischen sehr beliebt ist. Es ist bekannt für seine gemütliche Atmosphäre und die authentische portugiesische Küche. Die Speisekarte des Duque ist überschaubar, aber jedes Gericht wird mit viel Liebe und Sorgfalt zubereitet. Zu den Vorspeisen gehören geschmorter Thunfisch mit Süßkartoffeln und karamellisierten Zwiebeln oder klassische Petiscos (kleine, köstliche portugiesische Snacks, die oft in geselliger Runde geteilt werden) wie Hühnerherzen mit Chili und Prego Português – ein zartes Steak im traditionellen Fladenbrot „Bolo do Caco“. Darüber hinaus bietet das Duque eine gute Auswahl an vegetarischen Gerichten sowie Fisch- und Fleischspezialitäten. Klingt verführerisch, oder?

Wir haben Folgendes probiert – und es hat uns ausgezeichnet geschmeckt:

Als Vorspeise haben wir uns für Bulhão Pato entschieden, ein beliebtes portugiesisches Gericht, das zu Ehren des Dichters Raimundo António de Bulhão Pato aus dem 19. Jahrhundert kreiert wurde. Er war nicht nur für seine Leidenschaft für gutes Essen bekannt, sondern auch dafür, dass er seine Freude daran in seinen Schriften zum Ausdruck brachte. Dieses Gericht fängt den Geist des Dichters perfekt ein, indem es den natürlichen der Küsten Portugals mit wenigen, aber besonders frischen Zutaten kombiniert.

Dabei werden Miesmuscheln in einer Sauce aus Knoblauch und Koriander zubereitet – zart, salzig und bemerkenswert frisch, dank der nährstoffreichen Gewässer Portugals. Die dort gefangenen Muscheln werden wegen ihrer feinen Textur und ihres intensiven, natürlichen Geschmacks besonders geschätzt.

Die Sauce ist angenehm und erfrischend mit einer leichten, suppigen Textur, die sich hervorragend zum Dippen von knusprigem Brot eignet. Eine Limettenspalte verleiht dieser erfrischenden und wohltuenden Vorspeise einen zusätzlichen Frischekick.

Zum Hauptgang gab es frisch gegrillten Wolfsbarsch – ein mediterraner Klassiker, der im Ganzen mit sautiertem Gemüse und Salzkartoffeln serviert wird. Die leicht gebräunte Haut des Fisches verleiht ihm eine rauchige Note, während das Fleisch wunderbar saftig bleibt. Der Wolfsbarsch besticht durch seinen milden, leicht süßlichen Geschmack, der durch die natürliche Salzigkeit perfekt abgerundet wird. Wenn er im Ganzen gegrillt wird, kommt sein Aroma besonders gut zur Geltung, da Haut und Gräten das Fleisch saftig halten und ihm eine besondere Tiefe verleihen.

Garniert wird das Gericht mit Cherrytomaten und Frühlingszwiebeln, die einen frischen Akzent setzen. Das Gemüse wird nur kurz gegart, bleibt knackig und frisch und passt wunderbar zu den zarten, buttrigen Kartoffeln. Ein Spritzer Limette sorgt für eine erfrischende Zitrusnote, die den feinen Fischgeschmack perfekt ergänzt.

Unser zweiter Hauptgang ist ein echtes Highlight: eine zart konfierte Entenkeule, langsam gegart in aromatischem Portwein, feinsten Kräutern und Olivenöl, serviert mit portugiesischem Arroz de Salsicha („Wurst-Reis“).

Bei diesem Gericht kommt die Konfitier-Methode zum Einsatz – eine französische Garmethode, bei der die Entenkeule langsam im eigenen Fett gegart wird. Stundenlang bleibt sie bei niedriger Temperatur im Fett, bis sie wunderbar zart und seidig ist und fast auf der Zunge zergeht. Der Clou dieses Gerichts ist der portugiesische Portwein, der der Entenkeule eine fruchtige, tiefe Note verleiht. Portwein wird in der portugiesischen Küche häufig verwendet, da seine fruchtige Süße perfekt mit den herzhaften Aromen harmoniert und so eine wunderbare Balance schafft.

Die Entenkeule wird kurz angebraten, um eine knusprige Haut zu erhalten, die die Aromen wunderbar umschließt. Dazu gibt es gebratenen Reis mit portugiesischer Wurst – würzig, rauchig und leicht pfeffrig. Abgerundet mit frischem Koriander verbindet dieses Gericht Hausmannskost mit Haute Cuisine – eine perfekte Balance zwischen Gemütlichkeit und Luxus.

Duque bietet auch eine verlockende Auswahl an Desserts, falls im Magen noch Platz für etwas Süßes ist. Wir haben eine Art portugiesisches Trifle probiert, das in einem Glas serviert wird. Es beginnt mit einer Schicht nussiger, zerbröselter Biscuits, gefolgt von samtiger Schlagsahne, cremigem Vanillepudding und einem dekadenten Topping aus Zartbitterschokolade – ein himmlischer Abschluss für ein unvergessliches Mahl!

Wir hoffen, dass dir unsere Tour durch den Parque das Nações mit seinen faszinierenden Sehenswürdigkeiten, seiner modernen Architektur und den atemberaubenden Ausblicken auf die portugiesische Küste gefallen hat. Beim nächsten Mal nehmen wir dich mit zum historischen Torre de Belém und zum Padrão dos Descobrimentos, zwei der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt. Außerdem werfen wir einen Blick auf das nahe gelegene Mosteiro dos Jerónimos, ein beeindruckendes Kloster, das 1983 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde.

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