Auch im Herbst 2024 waren wir wieder in Shanghai und möchten euch heute eine der beliebtesten Attraktionen der Stadt vorstellen – den Yuyuan-Garten. Und natürlich haben wir auch heute wieder viele kulinarische Highlights aus China für euch.
Wir beginnen den Tag in einem Hotel im Shanghaier Stadtteil Xuhui mit einem atemberaubenden Blick auf die Skyline.

Wir machen uns fertig und machen uns auf den Weg zu einer wirklich guten Shanghaier Restaurantkette namens 老鸿兴 (Lǎo Hóng Xīng) – zu Deutsch: „Altehrwürdiger und erhabener Stern” – um dort zu frühstücken. Hier bekommt man leckere und nahrhafte Kost zu einem wirklich fairen Preis. Hier einige unserer Frühstücksempfehlungen:
Für einen sanften Start in den Tag und eine beruhigende Mahlzeit, die den Magen nicht überfordert, ist der typisch chinesische Porridge oder Reisbrei (Zhōu – 粥) ideal. Empfehlen können wir Nánguā Zhōu (南瓜粥) und Pídàn Shòuròu Zhōu (皮蛋瘦肉粥).
Nánguā Zhōu ist ein chinesischer Kürbisbrei bzw. Kürbisporridge. Der Brei hat durch den Kürbis einen milden, süßen Geschmack und eine weiche, cremige Konsistenz.


Pídàn Shòuròu Zhōu ist der absolute Frühstücksklassiker in China. Der Reisbrei wird mit zartem, kleingeschnittenem Schweinefleisch (瘦肉, Shòuròu) und würzigen Enteneiern (皮蛋, Pídàn) zubereitet. Diese Eier, auch Hundertjährige Eier oder Schwarze Eier genannt, reifen in einer speziellen Lauge, wodurch sie eine dunkle, gelartige Konsistenz erhalten. Die Kombination von Fleisch und Ei verleiht dem Porridge eine herzhafte, salzige und mineralische Note, während die Zutaten gleichzeitig einen spannenden Kontrast zur weichen Konsistenz des Breis bilden.
Wem Porridge oder Reisbrei nicht zusagt, der kann auch eine Brokkoli-Cremesuppe mit Hundertjährigen Eiern (皮蛋, pídàn), chinesischer Wurst und Garnelen probieren. Die Suppe ist mild und cremig, bereichert durch den Umami-Geschmack der Eier und die leicht süßlichen und würzigen Aromen der Garnelen und Wurstscheiben.

Natürlich dürfen bei einem chinesischen Frühstück Teigtaschen nicht fehlen – und auch im Lao Hong Xing werdet ihr fündig. Hier gibt es zum Beispiel die in Shanghai berühmten Xiao Long Tang Bao (小笼汤包), die wir euch bereits vorgestellt haben.

Sehr lecker sind auch Jiǎozi Guōtiē (饺子锅贴), die zuerst gekocht oder gedämpft und dann in der Pfanne gebraten werden. Das Ergebnis: ein knuspriger Boden und eine zarte Oberseite. Die herzhafte Füllung besteht aus Hackfleisch und/oder Gemüse und werden wie fast alle chinesischen Teigtaschen mit Sojasauce oder Essig und etwas Chiliöl serviert.


Den Jiaoizi ähnlich ist Jiǔcài Hézi (韭菜盒子), ein chinesischer Teigfladen, der mit Schnittlauch, Ei und eventuell Schweinefleisch oder Garnelen gefüllt ist. Der Teig wird in der Pfanne gebraten, wodurch er außen knusprig und innen weich wird. Der Schnittlauch sorgt für einen würzigen, milden und frischen Geschmack, das Ei für eine weiche Textur und das Fleisch (falls verwendet) für einen herzhaften Geschmack.


Xiǎo Sūròu (小酥肉) sind ein beliebter Snack in der nordchinesischen Küche. Es handelt sich um kleine, knusprige Schweinefleischstücke, die zunächst in einer aromatischen Marinade eingelegt und anschließend frittiert werden. Sie schmecken nach Umami mit einer dezenten Süße und sind herrlich knusprig – der perfekte Snack für zwischendurch!
Wie wäre es mit einem „Hühnchen, bei dem einem das Wasser im Mund zusammenläuft“? Klingt verlockend, oder? So lässt sich der Name eines äußerst beliebten chinesischen Gerichts übersetzen: 水鸡 (Kǒushuǐ Jī). Die traditionelle Variante stammt aus Sichuan, ist typischerweise scharf und wird mit einer würzigen Sichuan-Soße serviert. Die Shanghaier Version hingegen unterscheidet sich deutlich von dieser klassischen Zubereitung. Sie ist nicht scharf, sondern überzeugt durch eine süßlich-umami betonte Sauce aus Sojasauce, Reiswein, eventuell Reisessig, Sesamöl und fermentierten Bohnen. Das Hühnerfleisch wird traditionell pochiert, wodurch es besonders zart und saftig bleibt. Das Kǒushuǐ Jī wird kalt serviert und mit Sesamkörnern garniert.

Unsere letzte Frühstücksempfehlung richtet sich an alle, die schon morgens etwas Pep vertragen können: Suan Cai Yu (酸菜鱼), ein traditionelles Gericht aus der Provinz Sichuan. Es kombiniert zarten Fisch, der in einer aromatischen Brühe mit sauer eingelegtem Gemüse – ähnlich wie Sauerkraut – gekocht wird. Der Geschmack ist einzigartig und vereint eine harmonische Mischung aus Säure, Schärfe und Umami. Die Brühe ist würzig, leicht scharf und enthält Sichuanpfeffer, der mit seiner charakteristischen, betäubenden Schärfe für das gewisse Etwas sorgt.

Nach einem ausgiebigen Frühstück steht ein entspannter Sightseeing-Tag auf dem Programm, bevor es zum Yuyuan-Garten geht.
Der Yuyuan-Garten ist am einfachsten mit der U-Bahn zu erreichen. Das ist nicht nur günstig, sondern vor allem in der oft hektischen Innenstadt auch sehr praktisch. Steige an der Station Yuyuan Garden (豫园站) aus, nimm Ausgang 1 und folge den Schildern – der Garten ist nur 5-10 Minuten zu Fuß entfernt.

Alternativ kannst du auch ein Taxi oder Didi (das chinesische Pendant zu Uber) nehmen. Zeig dem Fahrer einfach den chinesischen Namen „豫园“ oder sage „Yuyuan – [jü˥˩jɛn]“ und er wird dich direkt vor dem Eingang absetzen.
Achtung: Zu Stoßzeiten kann der Verkehr sehr frustrierend sein und es kann sehr lange dauern – dann ist die U-Bahn definitiv die bessere Wahl!

Doch was ist das Besondere an diesem Garten? Der Yùyuán oder einfach Yù-Garten (豫园) ist ein historisches und weithin bekanntes Meisterwerk der klassischen chinesischen Gartenbaukunst. Er ist eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten in der Altstadt von Shanghai und zieht jedes Jahr zahlreiche Besucher an.

Das chinesische Wort “Yù” steht für “Zufriedenheit” oder “Freude” und “Yuán” ist der chinesische Begriff für einen Garten. Daher auch der Name „Garten der Zufriedenheit“ oder „Garten des Glücks“. Dieser Name spiegelt die ursprüngliche Absicht und Philosophie des Gartens wider: einen friedlichen Ort zu schaffen, der die Harmonie zwischen Mensch und Natur verkörpert.

Der Garten wurde 1559 während der Ming-Dynastie (1368-1644) von Pan Yunduan, einem wohlhabenden Beamten, für seine Eltern angelegt, damit sie dort in Ruhe ihren Lebensabend verbringen konnten. Nach Jahren des Verfalls und der Zerstörung (z.B. während des ersten Opiumkrieges oder der chinesisch-japanischen Kriege) wurde der Garten mehrmals restauriert, zuletzt im 20. Jahrhundert, um seine ursprüngliche Pracht aus der Ming-Dynastie wiederherzustellen.

Dabei wurden Pavillons, Brücken und Mauern repariert, die Landschaft gepflegt und moderne Elemente wie Wege und Beschilderungen integriert, um den Anforderungen der heutigen Zeit gerecht zu werden. So wurde der Garten zu einem lebendigen historischen Ort, der für Einheimische und Besucher gleichermaßen zugänglich ist.

Im Yuyuan-Garten gibt es einige Sehenswürdigkeiten, die ihr auf keinen Fall verpassen solltet:
Der Große Felsenberg (大假山, Dà Jiǎ Shān) ist eine der bekanntesten Attraktionen des Gartens. Die bis zu 14 Meter hohe, künstlich aus Kalkstein geschaffene Felslandschaft beeindruckt durch ihre komplexe Anordnung von Felsen und Höhlen, die ein faszinierendes Labyrinth bilden. Sie ist ein herausragendes Beispiel chinesischer Gartenbaukunst und soll die Erhabenheit der Natur symbolisieren. Zudem bietet sie den Besuchern einen wunderschönen Aussichtspunkt.


Ein weiteres Highlight ist der Jadefelsen, ein beeindruckender, 3,3 Meter hoher Fels mit einer durchbrochenen Struktur. Besonders faszinierend ist das Spiel von Licht und Schatten, das durch die zahlreichen natürlichen Öffnungen im Gestein entsteht.

Der Garten ist berühmt für seine malerischen Teiche, in denen Koi-Fische sanft dahinschwimmen, sowie für die bezaubernde Zickzack-Brücke (auch Jiuqu-Brücke, 曲桥, Qū Qiáo), die das Wasser überspannt.


Diese Brücke trägt eine tiefere symbolische Bedeutung: Gerade Linien gelten in der traditionellen chinesischen Architektur oft als Unheilsbringer, während Zickzackformen das Unglück vertreiben sollen.

Über diese Brücke gelangt man zur Huxinting Teestube (湖心亭, Húxīntíng), einem historischen Teehaus, das direkt auf dem Wasser errichtet wurde.


Ein weiteres Highlight ist die Drachenmauer (龙墙, Lóng Qiáng), die mit beeindruckenden Drachenreliefs verziert ist.

Drachen sind ein zentrales Motiv der chinesischen Kultur und symbolisieren Macht, Wohlstand und Schutz vor dem Bösen.


Die Mauer trennt verschiedene Bereiche des Gartens und ist ein wunderbares Beispiel für die gelungene Verbindung von Kunst und Architektur.

Besonders sehenswert sind auch die zahlreichen Pavillons und alten Hallen entlang der Wege. Dazu zählt unter anderem die Halle der drei Ähren (San Sui Tang), eines der Hauptgebäude des Gartens aus der Ming-Dynastie. Sie diente als Empfangshalle oder für feierliche Anlässe und besticht durch kunstvoll geschnitzte Holzbalken, dekorative Fenster und filigrane Ornamente. Die Halle der Jade-Güte (Dian Chun Tang) ist ebenfalls ein herausragendes Beispiel für die Architektur der Ming-Dynastie und hat eine besondere historische Bedeutung: Während der Taiping-Rebellion, einem wichtigen Konflikt in der chinesischen Geschichte von 1850 bis 1864, wurde sie von den Rebellen besetzt und als eine Art Stützpunkt oder Unterkunft genutzt. Die Halle der Zehntausend Blumen (Wan Hua Lou) ist bekannt für ihre kunstvollen Holzschnitzereien und Blumendekorationen, die Wohlstand und Schönheit verkörpern sollen. Sie diente sowohl als sozialer Treffpunkt als auch als Veranstaltungsort für kulturelle Aktivitäten und spiegelt die Harmonie zwischen Natur, Architektur und Tradition wider. Dies sind nur einige herausragende Beispiele der vielen schönen Gebäude, die im Park zu finden sind.



Am Rande des Gartens in der Altstadt liegt der lebhafte Yuyuan Bazaar. Hier erwartet den Besucher ein für asiatische Metropolen typisches buntes Treiben sowie eine Vielzahl von Lebensmittelmärkten und Einkaufsmöglichkeiten. Von Tee und kleinen Snacks bis hin zu Edelsteinen findet man hier eine große Auswahl an typisch chinesischen Souvenirs.


Besonders gut hat uns auch das Schokoladenmuseum gefallen, das mit faszinierenden Kunstwerken aus Schokolade wie Skulpturen und Gemälden sowie liebevoll präsentierten Köstlichkeiten zum Mitnehmen lockt.


Außerdem haben wir einige Impressionen von einem der Food-Märkte im Yuyuan Bazaar gesammelt. Hier gibt es eine beeindruckende Vielfalt an Köstlichkeiten zu entdecken:



von Dumplings, Dim Sum und Mantou-Brötchen in den verschiedensten Formen, Farben und Verzierungen (wie z.B. Mantous in Bienenform oder Sticky Rice Dumplings in Hasenform)


über frittierte Krabbensnacks – besonders beliebt in der Krabbensaison in Shanghai – bis hin zu herzhaften Reisgerichten.


Als besondere Spezialität möchten wir die Xiè Huáng Tāng Bāo (蟹黄汤包) hervorheben. Diese einzigartigen Dumplings, die es nur in der Provinz um Shanghai (Jiangsu) gibt, sind mit einer köstlichen Mischung aus Krabbenfleisch und Krabbeneiern (蟹黄) gefüllt und enthalten eine aromatische Brühe, die im Inneren eingeschlossen ist. Der Geschmack ist ein harmonisches Zusammenspiel von umami, vollmundig und leicht süßlich. Die Dumplings werden gerne mit einem Strohhalm serviert, mit dem man die heiße Brühe zunächst vorsichtig aussaugt, damit sie beim Öffnen nicht herausspritzt. Dann kann man den Dumpling in seiner ganzen Fülle genießen, d.h. den weichen Teig und die leckere Füllung aus Krabbenfleisch und Krabbeneiern.

Nach einem langen Tag im Yu-Garten und tausenden von Schritten durch die malerischen Gassen der Anlage und der angrenzenden Altstadt ist es Zeit für ein ausgiebiges Abendessen. Diesmal fällt unsere Wahl auf ein Fischrestaurant namens „Jiāng Biān Chéng Wài” (江边城外), das sich in einem Einkaufszentrum in der Nähe der U-Bahn-Station Loushanguan Road befindet. Diese Food-Mall haben wir übrigens schon in einem früheren Blogartikel vorgestellt. Das Restaurant ist spezialisiert auf Kǎo Yú (烤鱼), ein chinesisches Gericht, bei dem Fisch in einer aromatischen Mischung aus Gewürzen, Chili und anderen Zutaten mariniert, gegrillt oder gebraten und mit Gemüse und Reis serviert wird.


In Shanghai erfreut sich der Guàiwèi Kǎoyú (怪味烤鱼) großer Beliebtheit. Der Fisch wird in einer Marinade aus Chili, Sojasoße, Zucker, Essig und Sichuanpfeffer eingelegt. Diese außergewöhnliche Mischung aus scharfen (mala), süßen, sauren und umami Aromen sorgt für einen intensiven Geschmack, der aufgrund seiner ungewöhnlichen Zusammensetzung als „seltsamer Geschmack“ (怪味) beschrieben wird und dem Gericht sogar seinen Namen verleiht.
Für manche – mich eingeschlossen – kann diese Kombination allerdings etwas überwältigend sein. Deshalb empfehlen wir als Alternative das Xiānglà Kǎoyú (香辣烤鱼), das mit einer scharfen Marinade aus Sichuanpfeffer, Chili, Knoblauch und Ingwer zubereitet wird. Im Vergleich zum Guàiwèi Kǎoyú (怪味烤鱼) ist es jedoch weniger komplex und nicht so süß, was es für viele Menschen zugänglicher und leichter genießbar macht.
Um das Ganze etwas abwechslungsreicher zu gestalten und die intensiven Aromen des Fischgerichts auszugleichen, haben wir einige Beilagen bestellt.
Bīng Cài Shālā (冰菜沙拉) ist ein frischer Salat aus einer besonderen Pflanze mit dem symbolträchtigen Namen “Eisgemüse” (冰菜, Bīng Cài), oder Mesembryanthemum crystallinum. Die Pflanze hat fleischige, saftige Blätter und schmeckt leicht salzig und erfrischend, ähnlich einer Mischung aus Gurke und Salat. Eine würzige Soße aus Sesam, Essig und Sojabohnen wird darüber gegeben, um den Geschmack zu intensivieren. Der Salat ist frisch, leicht pikant und perfekt für heiße Tage.

Shānyào Nítǎ (山药泥塔) besteht aus pürierter Yamswurzel, die in Form eines Turms serviert und mit Fruchtmarmelade (果酱) sowie chinesischer Hagebutte (山楂) garniert wird. Der Geschmack der Yamswurzel ist leicht süß und erdig, die Marmelade bringt eine fruchtige Süße, während die Hagebutte eine angenehme Säure und eine herbe Note beisteuert.

Zudem gab es frittierte Krabbenarme, die mit Schale gegessen werden. Sie sind würzig und haben ein zartes, leicht süßliches Fleisch. Durch das Frittieren erhält der Krabbenarm eine knusprige Textur und eine angenehm salzige Note, die den Geschmack der zarten Meeresfrüchte im Inneren wunderbar ergänzt.
Wir lassen den Tag so ausklingen, wie er begonnen hat und genießen den atemberaubenden Blick von unserem Hotel auf die beleuchtete Skyline Shanghais. Ein perfekter Tag voller Kultur, Geschichte, beeindruckender Natur, viel Bewegung und vor allem leckerem Essen, neigt sich dem Ende zu. Bis zum nächsten Mal in China, wenn es uns in die Provinz Sichuan verschlägt, über die wir in unserem Blog schon oft berichtet haben.
