Wir erwachen in Dinant, eingehüllt in einen zarten Nebelschleier, der sich sanft über die Maas legt und den Fluss in ein geheimnisvolles, fast unwirkliches Licht taucht. Im Hintergrund erhebt sich majestätisch der mächtige Rocher Bayard, dessen Umrisse sich nur schemenhaft im Morgennebel abzeichnen. Langsam lichtet sich das Grau und am Horizont durchbrechen die ersten hellen Himmelsstreifen den Nebel. In dieser fast sakralen Stimmung erwacht die Stadt langsam zum Leben, wie aus einem Traum.

Unsere erste Station war die Grotte de Dinant La Merveilleuse Die 1904 entdeckte Tropfsteinhöhle ist ein wahres Naturwunder, das im Laufe der Jahrtausende vom Wasser geformt wurde.
Sobald man die Höhle betritt, wird man von einer kühlen, feuchten Luft umgeben und das leise Plätschern des Wassers hallt in den Höhlenkammern wider. Seit Jahrtausenden sickert das Wasser durch den darüber liegenden Kalkstein, löst Mineralien heraus und spült sie in die Höhle. Beim Abfließen hinterlässt das Wasser winzige Ablagerungen aus Kalziumkarbonat, die sich langsam zu den eindrucksvollen Formationen aufbauen, die wir heute bewundern können.

Die Vielfalt an Formen und Größen ist überwältigend. Wie gefrorene Eiszapfen hängen die Stalaktiten von der Decke, ihre spitzen Enden glänzen feucht im Licht.

Am Boden ragen Stalagmiten empor, manche glatt und rund, andere rau und zerklüftet, wie uralte Steine. Der Museumsguide erzählt uns, dass diese Formationen unglaublich langsam wachsen, manchmal nur wenige Zentimeter pro Jahrhundert. Manche Stalaktiten und Stalagmiten sind so lang und filigran, dass sie der Schwerkraft zu trotzen scheinen.




Eines der bekanntesten Motive in der Höhle ist das „sich fast berührende“ oder „sich küssende“ Paar – ein Stalaktit und ein Stalagmit, die sich aufeinander zubewegen und nur durch einen winzigen Spalt getrennt sind.
Je tiefer wir in die Höhle vordringen, desto mehr faszinierende Formationen heißen uns willkommen. Ein bizarres Gebilde sieht aus wie ein erstarrter Wasserfall, dessen wellige Oberfläche den Eindruck von fließendem Wasser vermittelt.
Der Guide erzählt uns, dass diese Formationen entstehen, wenn Wasser über die Felsen fließt und dabei Mineralien ablagert, die sich mit der Zeit zu Stein verhärten. Es war fast etwas surreal, etwas so Fließendes und Bewegtes in festem Stein erstarrt zu sehen.

Viele Formationen in der Höhle haben oft eine gelbliche Färbung, die, wie wir erfuhren, von Spuren von Eisen und anderen Mineralien im Wasser herrührt. Einige der Gebilde sind noch feucht, ihre Oberfläche glänzt im schwachen Licht. Dieser flüssige Eindruck entsteht durch den ständigen Prozess der Mineralablagerung – das Wasser fließt weiter, lagert neue Schichten ab und hält die Formationen sozusagen „am Leben“.

An einigen Stellen entdecken wir grüne Moos- oder Grasflächen. Der Museumsführer erklärt uns, dass diese Pflanzen in der feuchten, nährstoffreichen Umgebung gedeihen und so Leben in die von Mineralien dominierte Landschaft bringen. Fast so, als würde sich die Natur langsam ihr Reich zurückerobern.

Als wir wieder ans Tageslicht kamen, war der Himmel strahlend blau – perfektes Wetter, um Schlösser zu besichtigen und eine gemütliche Wanderung zu machen.
Mit mehr als 3.000 über das ganze Land verstreuten Schlössern wird Belgien oft als das Land der Schlösser bezeichnet. Diese prachtvollen Bauwerke sind Relikte aus der feudalen Vergangenheit des Landes, als die Adelsfamilien mächtige Festungen errichteten, um ihre Ländereien zu schützen.
Auf unserer Reise haben wir die Schlösser von Walzin und Vêves besucht.
Hoch auf einem Felsen über der Lesse thronend, umgeben von einem Meer aus Grün und dem glitzernden Fluss zu Füßen, scheint das Schloss Walzin einem Märchen entsprungen zu sein.

Das Schloss ist in Privatbesitz und kann nicht von innen besichtigt werden. Am besten lässt es sich auf einem der Rundwanderwege erkunden. Ein gemütlicher Spaziergang von ca. 1,5 bis 2 Stunden bietet immer wieder neue, beeindruckende Ausblicke auf das Schloss.

Der Weg führt durch stille Wälder, über offene Wiesen und am Ufer der Lesse entlang, wo Felsen, Fluss und Himmel ein atemberaubendes Panorama bilden.

Weiter ging es zum Schloss Vêves, einem Bilderbuchschloss mit spitzen Türmen, eleganter Architektur und traumhafter Lage.
Im Gegensatz zu Schloss Walzin ist Schloss Vêves für die Öffentlichkeit zugänglich und bietet Führungen an, in der Regel von April bis Oktober.

Da wir außerhalb der Saison waren, haben wir uns für einen kurzen Spaziergang rund um das Schloss entschieden. Umgeben von gepflegten Gärten und eingebettet in sanfte Hügel wird schnell klar, warum dieses Schloss oft als eines der schönsten Belgiens bezeichnet wird.
Gegen Abend standen wir wieder vor dem Rocher Bayard. Aus der Nähe wirkte der so genannte „geheime Stein“ Belgiens noch beeindruckender, eingetaucht in das warme Licht der untergehenden Sonne.

Einer belgischen Legende nach wurde der Felsen durch die Hufe von Bayard, dem Wunderpferd aus dem mittelalterlichen Epos „Die vier Haimonskinder“, gespalten.
Die Geschichte besagt, dass die vier Brüder auf Bayard vor dem Zorn Karls des Großen flohen. In einem Moment der Verzweiflung sprang das Pferd von einer Klippe und schlug mit solcher Wucht gegen den Felsen, dass er in zwei Teile zerbrach – ein Spalt, der gerade so breit ist, dass ein Auto durchfahren kann.

Weitere Tipps für Euren Besuch:
- Route: Am besten mit der Grotte von Dinant beginnen, dann zum Schloss von Walzin (das näher liegt) und schließlich zum Schloss von Vêves.
- Fahrzeit:
- Schloss Walzin → Schloss Vêves: ca. 15 Minuten
- Grotte de Dinant → Walzin Castle: ca. 10 Minuten
- Walzin Castle → Vêves Castle: ca. 15 Minuten
- Besichtigungsdauer:
- Grotte von Dinant: ca. 1 – 1,5 Stunden
- Schloss Walzin: ca. 1,5 – 2 Stunden (Spaziergang und Aussichtspunkte, da das Schloss nicht von innen besichtigt werden kann)
- Schloss von Vêves: ca. 1 – 1,5 Stunden (Innen- und Außenbesichtigung)
Zurück in Dinant kehrten wir in das gemütliche Restaurant Le Wiertz ein, um einige echte belgische Spezialitäten zu probieren. Natürlich durften die belgischen Moules (Miesmuscheln) nicht fehlen – eines der bekanntesten Gerichte des Landes. Dank der Nähe zur Nordsee sind sie besonders frisch, saftig und aromatisch. Traditionell werden sie in einem duftenden Sud aus Weißwein oder Bier gekocht, der ihnen das gewisse Etwas verleiht.

Bevor es ans Essen geht, stoßen wir mit einem Glas Chimay Bleue an, einem echten belgischen Trappistenbier. Schon der erste Schluck überrascht mit einer kräftigen Bitterkeit, die gleichzeitig erfrischend wirkt. Im Gegensatz zu leichteren Bieren punktet das Chimay Bleue mit tiefen und komplexen Aromen: dunkle Früchte, Karamell und feine Gewürze verschmelzen zu einem vollmundigen, leicht wärmenden Abgang. Die cremige Textur und die malzige Süße bilden den perfekten Ausgleich zur kräftigen und bitteren Hopfennote.
Ursprünglich 1956 als Weihnachtsbier gebraut, fand es so großen Anklang, dass es heute das ganze Jahr über erhältlich ist. Mit einem Alkoholgehalt von 9 % entfaltet es eine milde und doch kräftige Wirkung und ist der ideale Begleiter zu herzhaften belgischen Gerichten.

Als Vorspeise haben wir uns für Käse- und Garnelenkroketten entschieden – ein belgischer Klassiker – ein echter belgischer Klassiker, der goldene Knusprigkeit mit intensiven Aromen verbindet.
Serviert wurde das Ganze mit knusprig frittierter Petersilie, einem Stück Zitrone, Kirschtomaten, Frühlingszwiebeln, Parmesan und winzigen, aber unglaublich aromatischen Nordseegarnelen (crevettes grises) – eine belgische Delikatesse mit feinem salzig-süßlichen Geschmack.

Die Kroketten kommen heiß auf den Tisch, ihre knusprige Hülle umschließt eine herrlich cremige, seidige Füllung. Die Käsekroketten überzeugen mit einer intensiven, leicht nussigen Parmesannote, während die Garnelenkroketten eine feine Süße und einen herzhaften Umami-Kick mitbringen – perfekt ausbalanciert durch die samtige Béchamelbasis.
Die frittierten Petersilienblätter sind herrlich knusprig und leicht salzig, dazu ein Spritzer Limette – die perfekte Ergänzung, um die üppige Cremigkeit der Kroketten abzurunden.
Boeuf Bourguignon – französische Wohlfühlküche mit belgischem Touch. Dieses langsam geschmorte Rindfleischragout aus dem Burgund besticht durch sein intensives Aroma und sein butterzartes Fleisch. Serviert mit einem knackigen Salat und knusprigen Pommes frites erhält dieses traditionelle französische Gericht eine köstliche belgische Note.

Das Geheimnis liegt in der gehaltvollen, samtigen Sauce: Tiefroter Wein entfaltet in ihr sein volles Bouquet und verschmilzt perfekt mit den würzigen Aromen. Ein Hauch Zimt sorgt für wohlige Wärme und eine feine Süße, die den herzhaften Geschmack des Rindfleischs wunderbar abrundet. Das Fleisch ist so zart, dass es auf der Zunge zergeht.
Geschmorte Knoblauchzehen und Karotten sorgen für eine milde Süße, während die erdigen Pilzen in der aromatischen Weinsauce bei jedem Bissen eine saftige Umami-Explosion entfalten.
Kaum ein Gericht steht so sehr für die belgische Küche wie ein dampfender Topf voller Muscheln. Nos Moules Copere, eines der belgischen Nationalgerichte, wird in einem großen Topf mit 1,4 kg Miesmuscheln serviert.

Kaum steht der Topf auf dem Tisch, steigt uns ein intensiver Knoblauchduft in die Nase, vermischt mit einer frischen Meeresbrise. Die Sauce aus Weißwein und Sahne ist wunderbar aromatisch, verfeinert mit der feinen Süße von Lauch, Sellerie und Zwiebeln. Eine großzügige Menge an scharfem Gewürzpulver verleiht dem Ganzen eine angenehme Schärfe, die das Gericht von den klassischen Moules Marinières abhebt.

Die Muscheln selbst sind riesig, prall und unglaublich frisch – so zart, dass sie fast von selbst aus der Schale gleiten. Jeder Bissen ist eine perfekte Mischung aus salzig, buttrig, leicht süßlich und voller Umami.
Wer die warme, kräuterige Weißweinsauce auslöffelt, erlebt ein Geschmacksfeuerwerk von beeindruckender Tiefe.

Im Vergleich zu herkömmlichen Miesmuscheln sind sie größer und fleischiger – ein Geschenk des kalten, nährstoffreichen Nordseewassers. Manche sind so groß, dass sie fast einen ganzen Löffel füllen!
Die schiere Menge der Muscheln hat uns wirklich beeindruckt! Ein Topf so groß, dass immer noch mehr Muscheln herauskommen – ein Fest ohne Ende für jeden Meeresfrüchte-Liebhaber. Zweifellos der kulinarische Höhepunkt unserer Belgienreise.

Nach diesem Festmahl waren wir zwar schon ziemlich voll, aber als süßen Abschluss haben wir uns dann doch noch ein Dessert gegönnt – den Speculoos-Becher.

Eine Schicht würziger, karamellisierter Spekulatiuskekse – eine belgische Spezialität – trifft auf kühles, samtiges Eis und eine großzügige Portion Schlagsahne. Das Ergebnis ist cremig, knusprig und seidig zugleich.
Die typische Gewürzmischung der Speculoos oder Spekulatius – Zimt, Muskatnuss, Ingwer und Nelken – sorgt für eine gemütliche, fast nostalgische Wärme, die an die Weihnachtszeit erinnert, während das Eis eine kühle, milchige Balance schafft.
Während unseres Abendessens gab es eine kleine Überraschung, die den Abend noch unvergesslicher machte: Eine Katze sprang auf meinen Stuhl, kuschelte sich an mich und schlief sofort ein. Vielleicht war es der Duft des Essens oder einfach die gemütliche Atmosphäre des Restaurants, aber der pelzige Gast blieb ganz ruhig an meiner Seite. Das war definitiv der schönste Moment des Abends.

Wir hoffen, ihr hattet Spaß mit uns auf dieser Reise. Die nächste und letzte Station: La Roche-en-Ardenne, wo mittelalterliche Ruinen, eine malerische Stadt am Wasser und noch mehr belgische Köstlichkeiten auf uns warten. Bleibt dran!