Unsere heutige Empfehlung ist so gut wie eine von einer guten Freundin. Sie wirft dir einen vielsagenden Blick zu und sagt: „Vertrau mir einfach, das ist wirklich gut.“ So sind wir im Kyo in Frankfurt gelandet, einem Restaurant, das so gar nichts mit modernem, stylischem Vietnam-Fusion-Food zu tun hat. Stattdessen erinnert hier alles an eine kleine Dorfküche irgendwo in Vietnam.
Im Kyo wird gekocht, was echte Foodies lieben: authentisch, ehrlich und voller Charakter. Wie einheimische Vietnamesen sagen würden: „Hier essen wir – nur wer sich auskennt, kommt her.“ Die vietnamesische Kellnerin lächelt, als sie uns vorwarnt: „Einige Gerichte auf unserer traditionellen Karte finden selbst viele Vietnamesen schon ziemlich speziell.“ Na, wenn das mal keine Einladung ist!
Restaurantprofil
🏷️ Name des Restaurants: Kyo
📍 Adresse: Mainzer Landstraße 239, 60326 Frankfurt am Main
🍜 Küche: Vietnamesisch – Nudelgerichte, vietnamesische Tapas, Salate, Reisgerichte, Grillgerichte, Frittiertes, Pfannengerichte, Teigtaschen, Pho usw.
💰 Preis: ca. 20 – 35 EUR pro Person (inkl. Getränke und Trinkgeld)
Ein kleiner Tipp: Im Kyo gibt es gleich zwei verschiedene Speisekarten. Die erste – mit Klassikern wie Pho oder Sommerrollen – kennt und liebt jeder. Doch die zweite, vollständig auf Vietnamesisch, ist der eigentliche Geheimtipp. Hier steckt sie, die unverfälschte, ursprüngliche Seele Vietnams.
Getränke

🍹Maracuja-Minze-Mojito (alkoholfrei)
Wir beginnen mit einem Glas flüssiger Sonne: Der Maracuja-Minze-Mojito trifft die perfekte Balance zwischen süß und sauer. Das fruchtige, leicht tropische Aroma der Maracuja bringt eine honigsüße Note mit, während frische Minzblätter für einen kühlen, erfrischenden Kick sorgen. Gut gekühlt ist dieses Getränk der ideale Auftakt, um den Gaumen auf die authentisch vietnamesischen Gerichte vorzubereiten.
Vorspeisen
🥢Chả Giò (frittierte Fleischröllchen mit Chili-Mayo-Dip)

Goldbraun und außen schön knusprig, geben diese Röllchen beim Hineinbeißen ihr saftiges, aromatisches Inneres preis – eine feine Mischung aus Hackfleisch und zarten Glasnudeln. Cremig, herzhaft und würzig im Geschmack, entfalten sie besonders zusammen mit einer frischen Gurkenscheibe und einem Klecks der leicht scharfen Chili-Mayo-Ketchup-Sauce ihr volles Aroma.
🥬Bánh Xèo (vietnamesischer Pfannkuchen)


Der Name „Bánh Xèo” bedeutet wörtlich „zischender Pfannkuchen” und ist inspiriert vom Geräusch, das der Reisteig macht, wenn er in die heiße Pfanne trifft. Seine leuchtend gelbe Farbe verdankt er Kurkuma, das ihm zugleich ein warmes, erdiges Aroma verleiht.
Die hauchdünne, zart knusprige Hülle umschließt ein weiches, herzhaftes Inneres, das mit prallen Garnelen, saftigem Schweinebauch und knackigen Sojasprossen gefüllt ist. Dazu gibt es ein kleines Kräuterparadies aus frischer Minze, Koriander und Salat sowie eine Schale süß-säuerlicher und würziger Nước-Chấm-Sauce (Fischsauce-Dip).
Traditionell genießt man den Pfannkuchen so: Ein Stück abbrechen, etwas Salat, frische Kräuter und eingelegtes Gemüse dazugeben – und dann alles in die Sauce tauchen. Eine perfekte Kombination aus knusprig, frisch und herzhaft.

Mains
🦪Hến Xúc Bánh Đa (Muscheln mit Sesam-Reiscrackern)

Serviert wird dieses Gericht in zwei Teilen: eine Schale mit fein gehackten Muscheln, frischen Kräutern, gerösteten Erdnüssen und Chili in einem zitronig-frischen Dressing – und dazu ein großer, rustikaler Sesam-Reiscracker.
Der Cracker ist mild, leicht nussig und wunderbar kross – im Grunde ein essbarer Löffel, der perfekt zu der aromatischen Muschelmischung passt.
Man nehme ein Stück Cracker, gebe großzügig von der Muschelmischung darauf und träufle etwas Zitrone darüber. Dann einfach einen Bissen nehmen und genießen.
Das Knuspern des Crackers bildet einen schönen Kontrast zu den zarten, frischen Muscheln, die nach Meer und Salz schmecken. Danach entfalten sich Kräuter, Nüsse, Schärfe und Zitrone zu einer lebendigen, leichten und einfach süchtig machenden Komposition.

🍜Bánh Đa Cua – vietnamesische Reisnudelsuppe


Diese Suppe ist echtes Seelenfutter. Ihre Brühe ist tief aromatisch, würzig und trägt eine feine Rinderfleischnote, die durch ein leicht säuerliches Tomatenaroma ergänzt wird.
In der Suppe schwimmen aromatische Fleischbällchen, die beim Hineinbeißen saftig aufplatzen. Ebenso enthalten sind Tofu, Tomaten und unser heimlicher Favorit: zart gewürztes Rindfleisch, eingerollt in ein Betelpfefferblatt, das auch Bò Lálôt genannt wird. Es ist hausgemacht, unglaublich saftig und hat eine einzigartige, pfeffrige Würze.
Als Basis dienen breite, elastische Reisnudeln. Ein kleiner Tipp: Einen Löffel der scharfen Knoblauch-Fischsauce einrühren – sie verleiht der Brühe einen intensiven, feurigen Kick, der die Aromen perfekt abrundet.

🐟 Miến Xào Lươn (Glasnudeln mit gebratenem Aal)

Eines unserer Lieblingsgerichte – und das aus gutem Grund.
Es ist eine perfekte Kombination aus zartem Aal und geschmeidigen Glasnudeln. Die Glasnudeln werden kurz im Wok gebraten, bis sie all die herzhaften Aromen aufnehmen.
Der zarte Süßwasseraal wird leicht mariniert und so gebraten, dass er außen luftig-knusprig und innen saftig bleibt.
Die goldbraunen Aalstücke schmecken überhaupt nicht fischig. Stattdessen sind sie süßlich, intensiv umami und hinterlassen ein einzigartiges, fast luxuriöses Mundgefühl.

🥗Bún Đậu Mắm Tôm
Wer sich auf ein echtes kulinarisches Abenteuer einlassen möchte, sollte dieses Gericht probieren. Bún Đậu Mắm Tôm ist eine vietnamesische Institution und wohl das intensivste Erlebnis auf der Speisekarte.

Auf dem Teller liegen gekühlte Reisnudeln (Bún), gebratener Tofu (Đậu) und zarter, gekochter Schweinebauch. Dazu gesellen sich weitere spannende Zutaten:

- Vietnamesische Wurst aus feinem Schweinefleisch, in Bananenblättern gedämpft. Mild, leicht pfeffrig und mit angenehmer Konsistenz, teilweise aromatisiert mit frischen Kräutern wie Minze, die direkt ins Fleisch eingearbeitet sind.
- Schweinedarm: Für manche ungewohnt, bei Kyo aber perfekt zubereitet. Mild im Geschmack, ohne Eigengeruch, sauber verarbeitet. Die Textur ist leicht elastisch, saftig und zart zugleich.
- Blutwurst: Noch kräftiger und würziger, reichhaltig und gefüllt mit gekochtem Reis, der der Wurst eine weiche, leicht körnige Textur verleiht. Intensiv, herzhaft und mineralisch – ein idealer Kontrast zur kräftigen Mắm-Tôm-Sauce.

Nun kommen wir zu Mắm Tôm, der unscheinbaren, aber unglaublich geschmacksintensiven fermentierten Garnelenpaste, die in Vietnam Kultstatus genießt. Diese violette Sauce ist nichts für Zartbesaitete. Ihr Geruch ist markant, ihr Aroma unverwechselbar – kräftig, salzig, intensiv würzig und mit tiefem Umami. Kein Wunder also, dass viele Vietnamesen lieber zur milderen Fischsauce greifen.


Wer’s authentisch probieren will, macht es so:
Man nehme etwas von den kalten Reisnudeln, dazu ein Schweinefleisch, Wurst oder Tofu, tauche alles mutig in die Mắm-Tôm-Sauce – und beiße danach in ein frisches Kräuterblatt. Alternativ könnt ihr auch Fleisch oder Wurst mit Minze und Salat zusammenwickeln und das Ganze in die Sauce tunken. So treffen die frischen Zutaten auf den intensiven, salzig-würzigen Geschmack der Garnelenpaste – eine ungewöhnliche, aber erstaunlich stimmige Kombination.
Abgesehen von den bereits vorgestellten Gerichten hält Kyos „geheime“ Speisekarte noch viele weitere Überraschungen bereit: aromatischer Klebreis, gefüllt mit Mungbohnen und luftigem Schweinefleisch, fluffige, gedämpfte Buns und zarte Dumplings. Dazu kommen zahlreiche weitere Gerichte zum Teilen, wie zum Beispiel würziges Rindfleisch mit Limette, Bananen-Hotpot, zart gegrillte Wachtel, knackiger Quallensalat oder kurz gebratenes Kalbfleisch mit Zitronengras oder Lôt-Blättern.




Beim Gericht Bún đậu mắm tôm kann man die Garnelenpaste, wenn man sie nicht mag, auch durch Erdnusssauce ersetzen. Schmeckt sehr gut.
Die Speisekarte gibt es auch auf Chinesisch. Total süß gemacht! Besonders empfehlenswert ist die Meeresfrüchte-Platte. Auch die Austern 🦪 und die frittierten Sardinen sind sehr lecker 💜
Die Platte sieht interessant aus, aber ich glaube, das könnte ich nicht essen…Aber die Nudelsuppe sieht echt gut aus, die probiere ich das nächste Mal!